Verschwenderisch wie Christian Dior

Im Februar 1947 ist es in Paris eiskalt und das Brot der Bevölkerung bleibt weiterhin rationiert. Einige Monate zuvor hatte der 42jährige Christian Dior dank den Investitionen des Financiers Marcel Boussac eines der ersten Modehäuser der damals unscheinbaren Avenue Montaigne eröffnet. Seither haben sich alle Edellabel an dieser Luxusmodemeile zwischen der Seine und den Champs-Elyseen niedergelassen. Obwohl Paris damals nur langsam aus den Nöten des zweiten Weltkrieges erwachte, liess Dior das Eingangsportal zu seiner ersten Modeschau mit Tausenden von Maiglöckchen zieren. Das Personal besprühte die Gänge und die Säle mit dem gleichzeitig lancierten Parfum „Miss Dior“. Der Sinn fürs gute Geschäft und für feine Düfte wurden dem Autodidakten Christian Dior so gut wie in die Wiege gelegt. Der Sohn eines bankrotten Düngerherstellers hatte oft der Mutter, einer Bourgoise, bei der Gestaltung des Gartens im malerischen Granville geholfen. Dieser Park und die prächtige Art-Deko-Villa stehen noch heute an der Normandieküste und dienen als Ausstellungsort der wichtigsten Dior-Kleider, die seit jener Show des Winters 1947 entstanden sind.

Mehr als ein Liter Parfüm sei zwar eine grosse Ausgabe, meinte damals Monsieur Dior. Beim grosszügigen Versprühen von „Miss Dior“ handle es sich aber um eine Reklame mit hoher Rendite. „Auch wenn nicht alle das Parfüm mögen, werden zumindest alle davon reden“, kommentierte er. Die Marketingstrategie des Firmengründers wandte der heutige Besitzer Bernard Arnault bis zu John Gallianos Sturz an: Es komme nicht darauf an, wie von Dior gesprochen, sondern dass von Dior gesprochen werde.

Bescheiden war man an der 30, avenue Montaigne nie. Früher verglich Jean Cocteau den Couturier schamlos mit Gott: „Dior, das Genie unserer Zeit, trägt einen magischen Namen, der Gott und Gold (Dieu und Or) vereint“! Gold wurde denn auch zu einer von Diors Fetischistenfarbe, und die Modeschau von Februar 1947 mit dem üppigen „New Look“ löste in den USA taumelnde Begeisterung aus. Nachdem Poiret, Lanvin und Chanel das Korsett verbannt hatten, präsentierte es Dior zu schwingenden Röcken, mal luftig, mal eckig wie Handorgeln, für die er bis zu vierzehn Meter Stoff einsetzte. Diese neuen Kleider und Tailleurs erweckten in der Journalistin des „Harper’s Baazar“ den Ausruf „Welch neuer Look“, den Diors damaliger Assistent und zukünftiger Futurist Pierre Cardin allerdings noch heute als Rückschritt bezeichnet.

Der Tiefschlag kam 1957: Christian Dior erlag einem Herzinfarkt in der Toskana. Sein Assistent Yves Saint Laurent übernahm 1958 die Haute Couture und feierte mit 178 Modellen (!) und der Trapez-Kollektion neue Triumpfe. Zwei Jahre später wurde der sensible Couturier jedoch in den Algerienkrieg abberufen, wohin Saint Laurent allerdings nie eingerückt ist. Er erkrankte noch in Paris an tiefer Depression. An der Avenue Montaigne indes vergass man ihn schnell. Boussac stellte kurzum den 34jährigen Marc Bohan als Couturier an. Es entpuppte sich als katastrophaler Fehler, diesem Mann während 29 Jahren das kreative Ruder zu überlassen. Bohan beglückte zwar die Kundinnen der Haute Couture. Mit dem aufkommenden Prêt-à-Porter konnte er jedoch nichts anfangen und brachte keine begehrliche Kollektion zustande. Als der junge Industrielle, Bernard Arnault das Label 1984 kaufte, war Christian Dior so gut wie nichts mehr Wert.

1997 erteilte Arnault aber dem Engländer John Galliano „Carte Blanche“, um Produkte mit Weltruf zu schaffen. Das gelang dem talentierten Badboy aus London mit Bravour. Wie einst Christian Dior provozierte er mit der Verschwendung an Stoffen und Farben, die er spektakulär in Szene setzte. Wie sich selbst: Verkleidet als Musketier oder Fakir trat er zum Finale auf den Catwalk. Clownhaft aufgedonnerte Models oder eine durch die Pariser Obdachlosen inspirierte Kollektion lösten zwar heftige Kritik aus, doch die halbe Welt begehrte wieder ein Dior-Produkt. Sei es auch nur ein Lippenstift.

Gleichzeitig revolutionierte der junge Hedi Slimane Diors Männermode mit seinem rockigen „Slim“-Anzug, der zum allgemeinen Trend der Nullerjahre wurde. Mick Jagger und Elton John sassen jeweils in der ersten Reihe seiner stilreinen Shows.

Die kalte Dusche kam im Februar 2011 aus einer Marais-Bar: Völlig betrunken klopfte John Galliano grässliche, antisemitische Sprüche, die ein Tischnachbar mit dem Handy aufzeichnete und an die Oeffentlichkeit brachte. Diors Direktor Sidney Toledano feuerte seinen alkohol- und drogensüchtigen Stardesigner auf der Stelle – im ehrenwerten Hause an der Avenue Montaigne kam einmal mehr Trauerstimmung auf. Galliano zog sich in die Vereinigten Staaten zurück, um eine Entziehungkur anzutreten.
Ausserdem harzten die Verhandlungen zu Hedi Slimanes Vertragsverlängerung. Dieser wollte endlich auch Damenmode entwerfen, war jedoch nicht bereit, ein eigenes Label durch Dior finanzieren zu lassen. Und John Gallianos Stelle erhielt er offenbar nicht. Auch er zog nach Amerika und lebte in Los Angeles seine Passion für die Photographie und die Musik aus. Sein ehemaliger Assistent Kris van Assche entwirft seither die Dior-Männerkollektionen.

Luxus wird noch immer gross geschrieben. Doch man ist etwas Bescheidener geworden. Die Einstellung von Raf Simons als Artdirector der Damenmode beruhigt alle: Besonnen lässt Jil Sanders ehemaliger Designer seinen Sinn fürs Schlichte und Schöne in die Markenzeichen von Monsieur Dior einfliessen. Der New Look ist wieder da, doch sparsamer. Man kann sich an der Avenue Montaigne auch wieder einen weiten Hosenanzug erstehen wie ihn einst Marlene Dietrich trug.

Chanel – Genial und gigantisch

Gabrielle « Coco » Chanel (1883-1971) hatte im Grunde im Waisenhaus nähen gelernt, doch das verschwieg sie ihr Leben lang. Die schwarzen Gewänder und die weissen Krägen der Nonnen haben die Couturiere jedoch während ihres ganzen langen Lebens geprägt: Schwarz-Weiss ist noch heute das Wahrzeichen der Marke. Ein Aristokrat und Offizier, Etienne Balsam, führte die bildhübsche, zwanzigjährige, zur Schneiderin ausgebildete Frau in der Pariser High Society der Belle Epoque ein. Nachdem sie erste Erfolge mit ihren Hüten verzeichnen konnte, half ihr der Engländer Arthur Capel alias « Boy » einen ersten Laden am Boulevard Malesherbes zu eröffnen. Mit ihm fuhr sie auch in die Normandie,  wo sie die Fischer und Matrosen zu kühnen Kreationen inspirierten: Streifen-T-Shirt und Pullis flossen dank Chanel zum ersten Mal in die Damenmode. In Deauville eröffnete sie 1912 auch ihre erste Kleiderboutique. Drei Jahre später folgte Biarritz. Am Grande Plage der Basketstadt spazierte die Feministin im Pyjama, dem Vorläufer des Badeanzuges. Gabriele Chanel war auch eine der ersten Frauen, die kurzes Haar trug. Ebenso brach sie die verkrusteten Regeln der Couture. Mit ihrem « kurzen Schwarzen » erfand sie das erste Abendkleid, das eine Frau alleine anziehen konnte.

Chanel circa 1930, D.R.

Chanel circa 1930, D.R.

1919 installierte sie einen Laden und ihr Atelier an der inzwischen legendären rue Cambon in Paris. Drei Jahre später revolutioniere die ehrgeizige Couturiere mit dem « No 5 » den Parfummarkt, denn bisher waren alle Parfumflakons voller Schnörkel. Sie wollte eine pure Flasche, wie sie damals in den Apotheken standen. Schon 1924 stiegen die Brüder Pierre und Paul Wertheimer in ihr Parfumgeschäft ein. Sie baute an der rue Cambon aus. In der dort heute noch erhaltenen Wohnung überrnachtete die Workingwoman jedoch selten. Ihr wahres Heim sei das Ritz, sagte sie. Noch heute trägt die von ihr bewohnte Suite unter dem Dach des Luxushotels ihren Namen. Dort lebte sie mit dem Deutschen Hans-Günther von Dincklage zu Beginn des zweiten Weltkrieges. Heute werfen ihr deshalb verschiedene Historiker Spionage für das deutsche Reich vor. Chanel hatte sich während des Krieges in die Schweiz zurückgezogen. Als sie nach Paris zurückkam, riskierte sie – wie die meisten Geliebten deutscher Soldaten – , dass ihr das Haar in aller Oeffentlichkeit geschoren wird. Offenbar verhinderte Winston Churchill diese Schmach, weshalb eine andere Version ihrer Rolle während des zweiten Weltkrieges besteht: Sie habe versucht, zwischen Deutschland und Grossbrittanien zu vermitteln. Doch der Einsatz « Chapeau de couture » sei gescheitert.

1936, photo Lipnitzki Viollet

1936, photo Lipnitzki Viollet

Chanels erste Modeschau nach dem zweiten Weltkrieg entpuppte sich als Flopp. Mit dem Tweedtailleur schenkte sie dann aber den Frauen die adäquate Kluft zum Herrenanzug. Dieser endete allerdings immer unter dem Knie, denn vom Mini hielt sie gar nichts. Das Knie sei nichts Schönes, sondern ein Gelenk, meinte die Frau, die anschliessend bis ins Hohe Alter von 88 Jahren täglich arbeitete. Sie hasse die Sonntage, weil man da nicht arbeiten könne. An einem Sonntag starb sie auch.

Tailleur 1954

Tailleur 1954

Die in der Schweiz wohnhafte Familie Wertheimer ist noch heute die Eigentümerin der Firma Chanel, die seit den 1980er Jahren dank Karl Lagerfeld weltweit zu einem der wichtigsten Modeplayer aufgestiegen ist. Der deutsche Starcouturier leitet die Kreation sämtlicher Kollektionen seit 1983. « Die Mode entstammt einer lustigen Idee, die sofort verbrennt. Der Stil bleibt, auch wenn er sich erneuert », sagte einst Mademoiselle. Karl Lagerfeld schafft es brilliant, in Chanels Haut zu schlüpfen und ihren unverkennbaren Stil immer wieder aufs neue dem Zeitgeist anzupassen. Die Ambiente im Modehaus bleibt gepflegt, dynamisch. resolut. Viele Direktionsstellen sind von Frauen besetzt. Letztere machen auch die Mehrheit des Personals aus.

 

 

Lanvin: Der neue Biss der Männermode

Sexy, edel und doch diskret: Aus Emotionen machen Alber Elbaz und Lucas Ossendrijver bei Lanvin eine Mode, die jeder Mann begehrt. Die beiden Designer lancieren Trends am laufenden Band, obwohl es um Kleider zum Aufbewahren geht.

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“Es braucht Zeit, um eine Marke aufzubauen, denn nicht alles im Leben entsteht wie ein Nescafé”. Mit diesem Satz beschreibt Lanvins Artdirector Alber Elbaz das Ausmass, wenn es gilt, ein berühmtes Label neu auf Vordermann zu bringen. Für Lanvin ist die Männermode ein Schlüsselement: Jeanne Lanvin führte sie bereits 1926 ein. Bis zur Einstellung des Duos Elbaz-Ossendrijver misslang es der Marke, ihr Bild massgeschneiderter Politiker und Geschäftsmänner in eine begehrliche Trendmode zu verwandeln. 2001 machte die Firma gerade noch einen Umsatz von 50 Millionen Euros. Dieser hat sich inzwischen verdreifacht. Denn Alber Elbaz’ luxeriöse, aesthetisch aufs Minimum beschränkte Damenmode und Lucas Ossendrijvers Männermode, die Chic und Nonchalance vereint, machen aus Lanvin das wegleitende Trendlabel. Die von Ossendrijver eingeführten Turnschuhe sind ein Must und trotz unsichtbarem Logo sofort erkennbar. Der sensible, ungeduldige Pedant trägt sie selbst zu einer schwarzen Hose und zwei übereinander gelegten Hemden. “Alles Teile von Lanvin, aber aus verschiedenen Saisons. Ich mache Kleider zum Aufbewahren und zum Mixen”, betont der Holländer. Er wolle Teile für jedes Portemonnaie. “Dieser Luxussupermarkt ist eine geistige Erweiterung », meint der Unprätentiöse, der kaum Interviews gibt. Er beginnt den doppelten Espresso in der Hotelbar gegenüber des Pariser Modeshauses mit dem Schöggeli. Wenn der 40jährige von Stoffen und Farben spricht, mit denen er seine Kollektionen startet, schwingt Leidenschaft in seiner Stimme. Mal pure Leinen, mal technische Textilien, mal Papier, sein Spiel mit Proportionen und Materialien machen seine Kollektionen zu den besten. Mit Jogginghosen zu weiten Mänteln oder engen Jacketts hat Ossendrijver schon vor fünf Jahren neue Männertrends lanciert. “Wie ein Schwamm nehme ich alles auf, setze es aber in umgekehrter Richtung um », meint der Designer, der nach dem Studium an Modeschulen von Arnheim und Amsterdam für verschiedene Labels entwarf. Bei Dior realisierte der Holländer die klassiche Linie. Präzision und Anspruch habe er dort von Hedi Slimane gelernt. Die Mode bleibt für den auf dem Lande aufgewachsenen Superschlanken ein grosser Traum und ein Job in “höllischem Rhythmus”. Abstellen sei unmöglich. “Zu Fuss auf dem Heimweg oder im Nightclub leere ich den Kopf”. Diese Mischung macht seine Mode sexy. Breite Gürtel oder enthüllte Knöchel: “Die Zerbrechlichkeit fehlte in der Männermode. Doch gerade sie zeichnet den Franzosen aus”, meint Ossendrijver bevor er wieder in den Etagen der rue Boissy d’Anglade verschwindet.

Paris, September 2013 – Bild: nach der Lanvin-Show, Lucas Ossendrijver (links) und Alber Elbaz (rechts)

Hermès hält sich souverän

Während andere Luxuslabels Leute entlassen oder rote Zahlen schreiben, stellt die Hermès Gruppe Personal ein. Die interne Präsenz der Familie, lebenslange Qualität und verspielte Kreativität sind ihr Erfolgsrezept.

Hermès 2013

Legendäre Handtaschen wie die “Birkin”, geniale Ideen wie das in einem Couvert verschwindende Lederschachspiel oder die federleichte Daunenjacke, die man in eine Umhängetasche knüllt: Wer sich Hermès leisten kann, kauft keine Mode, sondern einen Stil, ein Statussymbol. Wer schon möchte nicht auch ein Stück Hermès besitzen? Das Firmensiegel “H” ist zwar selten ostentativ. Am Pariser Firmensitz des Faubourg Saint Honoré, wo sich Charles-Emile Hermès 1880 niedergelassen hat, wähnt man sich unprätentiös, gar distanziert. Pomp und Glamour sind ein Fremdwort in der gediegenen und dennoch behaglichen Athmosphäre. Bis heute ist die protestantische Moral erhalten geblieben. Es wird nicht von Luxus gesprochen, sondern von kreativem Handwerk. Das Hause investiert wenig ins Marketing, sondern in die “Exzellenz des Produktes” und somit auch in entsprechende Handwerkbetriebe wie die Cristallerie in Saint-Louis, den Schweizer Uhrmacher Vaucher aus Fleurier oder die TCIM (Tannerie des cuirs d’Indochine et de Madagascar), ein Spezialist in der Gerbung exotischer Leder. Deren Verarbeitung stellt dann doch kein moralisches Hindernis dar. Wie dem auch sei: Gerade jetzt in der Krisenzeit bevorzugen die Luxuskunden Topqualität und verzichten auf Schnickschnack. Und ein Hermèsprodukt kann ein lebenslanger Partner sein.

Im Krisenjahr 2008 schuf das emblematische Pariser Modehaus 439 Stellen. Fast 8000 Menschen arbeiten somit weltweit für die Edelmarke, die 2012 den berauschenden Gewinn von 740 Millionen Euros erreichte. Mit einem Umsatz von 3,48 Milliarden Euros ist der französische Konzern einer der wichtigsten globalen Modeplayer. Er serviert keine schnell vergänglichen Trends, sondern erweitert kreativ die über 150jährige Familiengeschichte. Die Firma ist zwar in Paris an der Börse kotiert, doch die heutige 5. und 6. Generation dieser kinderreichen Familie besitzt nicht nur die Aktienmehrheit. Mehrere Erben arbeiten am Faubourg Saint Honoré als Direktoren einzelner Abteilungen und leiten die Kreation.

Seit dem Rücktritt von Jean-Louis Dumas im Jahre 2006 führte allerdings erstmals ein « Fremder » das Traditionshaus, dessen Grundstein Thierry Hermès anno 1837 mit Zaumzeug gelegt hat. Als ehemaliger Generaldirektor (1989-1997) und Co-Leiter seit 2004 zählt Patrick Thomas jedoch so gut wie zur Familie. Er machte nie einen Hehl daraus, dass er die Nachfolge eines Familienmitgliedes vorbereite. Nun hat Dumas Neffe Axel die Führung des Konzerns übernommen. Sein Vetter Pierre-Alexis Dumas den Posten des Artdirectors. Von 2003 bis 2010 peppte Jean-Paul Gaultier die manchmal langweilig anmutende, schlichte Eleganz von Hermès Damenmode mit Humor und etwas Sexiness auf.  Gleichzeitig vernachlässigte der berühmte französische Couturier jedoch sein eigenes Label, weshalb er Hermès verliess. Ueberraschend rief der Konzern Christophe Lemaire ans Ruder der Damenmode. Der Franzose hatte während zehn Jahren die Kreation bei Lacoste geleitet. Im Minimalismus und Unisex verhaftet, gleiten seine Entwürfe nahtlos in Hermès’ diskretes Reich, wo Véronique Nichanian seit über zwanzig Jahren mit mutigen Entwürfen dem wohlsituierten Mann ein Stück Mode und Zeitgeist beibringt.  Fast die Hälfte des Umsatzes wird jedoch mit der Maroquinerie erzielt. Nichtsdestotrotz steigt auch der Parfumverkauf dank Knüllern wie “Kelly Calèche” oder “Terre d’Hermès”, ein würziger Saft für starke Männer.

Obwohl die Hermès Gruppe mit Extras wie die Innengestaltung eines Bugattis, Smarts oder Helikopters diversifiziert, bleibt sie ihren historischen Grundsatzbereichen (Pferde, Reise, Automobil) treu. Ihre Strategie ist Teil der Erfolgsgeschichte: Sie kauft nicht wie ihre Konkurrenten andere Modelabels, höchstens Anteile (etwa Gaultier). Sie investiert vor allem in die eigenen, rund dreihundert Läden. Oft kauft Hermès gleich das ganze Gebäude.

Die Aktie Hermès steigt im Gleichschritt der Gerüchte, eines oder mehrere Familienmitglieder würden verkaufen. Als potentieller Käufer wurde regelmässig der Patron der Luxusholding LVMH, Bernard Arnault, gehandelt. Dieser hat es kürzlich geschafft, in Hermès’ Aktienkapital einzusteigen, was einen Finanzkrieg und verbale Schlagabtausche zwischen Arnault und der Hermès-Direktion ausgelöst hat. Laut einem Gerichtsentscheid hat Hermès das Recht erhalten, die familiäre Aktienmehrheit zu schützen. Doch Arnault besitzt inzwischen dennoch mehr als 20 % der begehrten Hermès-Aktien.

Paris, September 2013  – Bild: Hermès zvg

éclectic – Mode für aktive Männer

Franck Malègue verbindet das Savoir-Faire eines Herrenschneiders mit den technischen Materialien, die im Spitzensport, in der Armée und in der Luftfahrt zum Einsatz kommen. « Damit entsteht eine neue Funktion des traditionnellen Jackets », sagt der Gründer und Designer des seit zwei Jahren bestehenden Labels éclectic. Seine klassisch geschnittenen Westen und Mäntel schützen entsprechend gegen Hitze und Kälte, sind atmungsaktif und feuchtigkeitsabstossend. Dadurch entsteht eine komfortable und dennoch schicke, praktische Herrenmode in den traditionnellen Anzugstoffen. Das City Jacket aus feiner Wolle knittert nicht. Andere Westen weisen ein Futter aus Cordura auf, ein äusserst strapazierbares Material. Der bisher einzige Laden des 30jährigen Franzosen befindet sich an der rue Charlot von Paris mitten im « hinteren Marais », wo sich seit einigen Jahren ein neues, spannendes, avantgardistisches Modeviertel ausbreitet mit vielen kleinen Läden, Ateliers und Galerien.

Weitere Infos: www.e-eclectic.com