Designerwechsel – ein Risiko, das die Zukunft bestimmt

Der Schritt ins Unbekannte, der sich meist auszahlt : An der Pariser Fashionweek zeigten hochkarätige Marken die Kollektionen ihrer neu eingestellten, weltbesten Chefdesigner.

Dior_AW1516 - Group shotRaf Simons pour Christian Dior  copyright: Dior

Ganze neun Tage dauerte diesmal die Pariser Fashionweek mit einer neuen Herbst- und Wintermode, die Biss hat : Aalglatte Schaftstiefel verwandeln sich zu Strümpfen. Pelze und Häute, Motive und Farben aus der Savanne oder dem Urwald drücken das Tierische, das Unvorhergesehene, das Ungewisse der Frau aus. Ebenso ungewiss spielen die weltweiten Modeplayer, wenn sie neue Chefdesigner einstellen. Kering und LVMH aus Paris, der Barceloner Konzern Puig sowie Renzo Rossos italienische Holding « Only the Brave » buhlen für ihre diversen Marken um die weltbesten Modedesigner. Auch das an der Pariser Börse notierte, über 170jährige Familienunternehmen Hermès International, führt  zwar wie Chanel kein solches Marken-Portefeuille…,zählt aber mit seinem jährlichen Umsatz von 3,7 Milliarden Euros zu den bedeutendsten Modelabels. Am letzten Montag fuhr es mit der ersten Show seiner neuen, sehr minimalistischen Damenmodedesignerin Nadège Vanhee-Cybulski allerdings in stille Wasser. Hermès lebt bekanntlich nicht vom Prêt-à-Porter, sondern von der Maroquinerie, die 44 Prozent seines Umsatzes ausmacht. Die in den Medien abgebildeten Kollektionen beeinflussen dennoch das gesamte Bild einer Marke. Ein noch grösseres Risiko geht Renzo Rosso ein, indem er für sein diskretes Label Maison Margiela den zwar hochtalentierten, aber verpönten und unberechenbaren John Galliano eingestellt hat. Bei Nina Ricci hingegen ist Puig-Chef Ralph Toledano ein goldiger Schachzug gelungen : Er hat Carven den begabten Franzosen Guillaume Henry ausgespannt, der nun Nina Riccis neue Romantik mit Spitzen in erhabenen, minimalistischen Schnitten neu definiert.

Trotz allem Risiko bietet das Auslaufen eines Vertrages dem Modehaus jeweils die Möglichkeit, seinem Image neue Impulse zu verleihen. Denn ein Chefdesignerwechsel zahlt sich meistens aus. Seit Raf Simons 2012 das Ruder nach John Gallianos fristloser Kündigung bei Christian Dior übernommen hat, ist Diors jährlicher Umsatz von 24 auf 30 Millionen Euros gestiegen. Louis Vuitton erfährt mit Nicolas Ghesquières Raffinesse, Präzision und persönlicher Originalität einen neuen, kreativen Aufschwung. Bei Hermès stieg der Verkauf im Kleidungssektor signifikant 2011 nach der Einstellung von Christophe Lemaire. Am letzten Montag war die Stimmung vor der ersten Show seiner Nachfolgerin geradezu elektrisch. Verkniffte, angespannte Blicke und hektische Schritte entlarvten die Nervosität des sonst stets gesetzten Personals. Schliesslich ist ein Designerwechsel für die Modekonzerne ein wesentlicher Schachzug ihrer Strategie. Nur selten wird, wie bei Gucci, bei einer Vakanz einem hausinternen Kandidaten der Vorrang gegeben. Um Misstritte und Verluste zu vermeiden, ziehen die Konzerne den Rat eines Konsultanten ein, um zu erfahren, welche Verträge welcher Stardesigner am Auslaufen sind oder welche frischen Talente aus New York, London, Mailand oder Paris am besten ins Konzept passen.

 

Nach Stardesignern wie Martin Margiela, Jean-Paul Gaultier und Christophe Lemaire wählte Hermès diesmal eine Unbekannte. « Bekannt oder nicht. Das spielte für mich keine Rolle. Ich suchte einzig nach jemandem mit Talent und gemeinsamen Werten. Nadège Vanhee-Cibulsky war das beste, verfügbare Talent für unser Haus », meinte Hermès CEO Axel Dumas nach der Schau. Auf dem Laufsteg hat seine neue Modedesignerin ihren typischen Minimalismus bereichert, indem sie mit Mäntel und Jacken mehrere, wettersichere Schichten legt und Hermès’ Wahrzeichen aus dem Pferdesport einsetzt. Das ist nicht immer chic, doch sehr präzis.

Nadège Vanhee-Cybulski copyright: esther haldimann

Nadège Vanhee-Cybulski copyright: esther haldimann

Dumas hat sein neues Talent bei The Row in den USA entdeckt. Nachdem in den späten 1990er Jahren die besten Modedesigner aus London nach Paris geholt wurden, ist heute Amerika im Vormarsch : Der New Yorker Alexander Wang kann zwar nicht an Ghesguières Erfolg bei Balenciaga anküpfen. Dafür gelingt Hedi Slimane, der für Saint Laurent direkt in Los Angeles entwirft, ein neuer Durchbruch. Seit der scheue Franzose des gesamte Bild Saint Laurents neu gestaltet, ist der Reingewinn dieser Kering-Marke um fast einen Drittel gestiegen. Und bei Kenzo sorgen die Amerikaner Carol Lim und Humberto Leon mit ihrem Workwear für einen neuen Frühling.

copyright: Kenzo, Louis Vuitton

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  1. Pingback: Calvin Kleins Comeback dank Raf Simons | Blog Esther Haldimann

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