Frankreich – das Eldorado der Auslandschweizer

Martin Strebel

Den schmalen Tälern und allem Engstirnigen entrinnen. Wer die kleine Schweiz verlässt, um im grosszügigen Frankreich seine Flügel auszubreiten, wird wie Schriftsteller Blaise Cendrars zum Weltenbürger, will Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit teilen. Wenn Schweizer die Koffer packen, um sich definitiv oder zumindest einstweilig jenseits des Juras niederzulassen, spielen solche Gedanken eine Rolle. Nicht aber die Hauptrolle.

Mit 198 647 in Frankreich registrierten Schweizern handelt es sich überhaupt weltweit um die grösste Auslandschweizerkolonie: Die Eidgenossen leben im ganzen Land verteilt, mit Vorliebe zwischen dem Jura und Lyon bis nach Paris. Die Côte d’Azur lockt nach wie vor zur Rente in der Sonne. Doch auch in Marseille wohnen noch immer die Nachkommen protestantischer Handelsfamilien, die sich bereits im 16. Jahrhundert in der Hafenstadt niedergelassen haben. Das gleiche gilt für Bordeaux. Denn der Grossteil dieser Schweizer residiert schon seit Generationen im westlichen Nachbarland und besitzt zu 84 Prozent auch die französische Staatsbürgerschaft. Die historische Spur führt weit zurück zur … Lire la suite

Kreativdirektor – ein Genie des vernetzten Denkens

In zähen Verhandlungen buhlen die französischen Modehäuser um die weltbesten Chefdesigner. Saint Laurent hat blitzschnell Hedi Slimane ersetzt. Diors Damenabteilung hingegen bleibt weiterhin verwaist.

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Früher entwarf ein Yves Saint Laurent eigenhändig seine Kollektionen allein vor dem weissen Blatt – heute ist der Kreativdirektor längst kein Solist mehr, sondern ein Dirigent, der seinem Team angibt, was es zu zeichnen hat. Er schleift überhaupt am ganzen Image einer Marke. Er muss eine starke Vision besitzen und sich dennoch in die manchmal fast hundertjährige Geschichte eines weltberühmten Traditionshauses einbetten. Diese Auffrischung des globalen Eindruckes ist Hedi Slimane (47) bei Yves Saint Laurent binnen vierer Jahre gelungen. Sogar weit weg vom Pariser Firmensitz, in Los Angeles, hielt das sensible Wunderkind der Modeszene … Lire la suite

Grasse – Vom Parfum nach Mass zum Industrieprodukt

031copyright esther haldimann

Grasse ist die Heimat der Duftstoffe. Vom banalen « Eau de Lavande » bis zum Absolue bitterer Orangen. Romantik haftet diesen Düften an. Nur in Grasse klingt das Wort Fabrik wie Poesie. Mit der Romantik ist es heute nicht ganz aus, doch Grasse ist im 21. Jahrhundert nicht mehr die Welthauptstadt der Parfüms. Aus der einstigen Liebhaberei eines absoluten Luxusproduktes, etwa bestellt von Marie Antoinette, ist zuerst das Eau de Toilette für die breite Masse entstanden. Doch die Düfte und Aromen aus Grasse kommen heute auch in herkömmlichen Shampoos, Joghurts oder Putzmitteln vor. 

Wie kommt es, dass gerade dieses verschlafene Städtchen der Provence ab 1750 zum Zentrum der Düfte, Essenzen und Absolues gewachsen ist? Gerber, Königinnen, Apotheker und Patriarchen haben die Hände im Spiel. Ein historischer Rückblick in zehn Episoden.

 

Weg mit dem Gestank

Grasse liegt 350 Meter über Meer an einem sonnigen Hügel mit Sicht an die 20 Kilometer entfernte Côte D’Azur. Schon im 13. Jahrhundert pflegte die damals 4000 Einwohner zählende Stadt enge Handelsbeziehungen mit Genua und Pisa. Aus Italien wurden Getreide und Tierhäute importiert. Die Grassois lieferten sodann den Genuesen und Pisaner eines der geschmeidigsten Leder. « Die Tierhäute verpesteten mit ihrem ekligen Geruch alle Gassen », erzählt ein Grassois hinter der Theke seines Pubs. Der Barman ist … Lire la suite