Calvin Kleins Comeback dank Raf Simons

Der Star der Haute Couture wechselt in den Mainstream, hat aber vieles mit dem König aus der Bronx gemein.

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photo: ph vanderperre willy-blackwhite for PVH

Dass ein Star der Haute Couture zum Mainstream wechselt, ist eher eine Seltenheit. Doch Raf Simons kehrt als Calvin Kleins Chefdesigner zu seinen Ursprüngen zurück. Der Belgier hat das glamouröse Pariser Label Christian Dior vor knapp einem Jahr verlassen. Nach dieser überraschenden Scheidung, kommt es jetzt zu einer Traumhochzeit.

Als der in der Bronx aufgewachsene Calvin 1968 sein Label gründete, wurde Raf gerade geboren. Als Jüngling studierte Simons nicht Mode, sondern Industriedesign. Diesen Überblick wird dem Couturier eine solide Basis bieten, denn er leitet jetzt beim New Yorker Label die gesamte, kreative Globalstrategie. Genau diese Macht wollte Dior seinem Couturier nicht gewähren. Simons musste sich in Paris mit der Damenmode begnügen, weshalb es offenbar zur Trennung gekommen ist. Nun leitet er bei Calvin Klein alle kreativen Bereiche, Marketing und Kommunikation, sowie sämtliche sechs Linien von der Laufstegmode über die Jeans bis zur Unterwäsche.

Simons (48) startete seine Modekarriere 1995 in Antwerpen. Damals wurde Calvin Klein (73) gerade als Meister des Minimalismus  gefeiert. Während Klein mit dem Logo auf der Feinrippenunterhose weltweit den bis heute anhaltenden Trend auslöste,  entwickelte Simons in der Männermode seinen bahnbrechenden Stil: Schmale, lineare Silhouetten in klassischen Materialien ohne Schnickschnack, gezeigt an Models von der Strasse, brave Buben in englischen Schuluniformen, allerdings im Rhythmus von Punk und Kraftwerk marschierend. Klein hat sich an der Strassenkultur der Bronx und der Workingwomen inspiriert, Simons an der Energie der Underground-Rebellen.

Bauhaus und Architektur haben seinen Minimalismus geprägt. Mit der Eleganz der Schlichtheit wusste der Belgier als Chefdesigner bei Jil Sander (2005-2012) zu brillieren. Nach seiner Passage bei Dior würden jetzt John Gallianos extrem bunten, opulenten Sachen altmodisch anmuten. Genauso modern war Calvin Klein, als er als erster die Designermode zum Mainstream gemacht, die Designerjeans lanciert und das Unisex-Parfum herausgegeben hat. Beide besitzen Humor und den Hang zur Provokation: Klein sorgte im puritanische Amerika mit seinen lasziven Werbekampagnen für Skandal. Um das Aufkommen der Neo-Nazis anzuzeigen, liess Simons einst seine Models in Paris mit Hitler-Frisuren defilieren.

Calvin Klein hat sein Label 2003 an den amerikanischen Modegiganten PVH Corporation verkauft. „Seit Mister Klein selbst nicht mehr im Betrieb ist, unterlag das Unternehmen nie mehr einer einzigen, kreativen Vision“, gibt CEO Steve Shiffman in New York zu. Der Couturier aus Paris soll nun ein neues Kapitel schreiben. Was die bisherigen Designer Italo Zucchelli und Francisco Costa auf dem Catwalk gezeigt haben, war nicht mehr umwälzend. Das Geschäft machte Calvin Klein in den letzten Jahren mit der Unterwäsche und den Jeans, allerdings vor allem in den USA. In Europa und Asien trägt die Jugend längst nicht mehr CK. Seit 2013 hat die Firmenleitung eine weltweite Expansionsstrategie eingeleitet und will nun dank Simons Genie den Umsatz von 3 auf 10 Milliarden Dollars erhöhen. Zudem ist ihr ein anderer Schachzug gelungen: Das berühmte Logo blickt nun aus Justin Biebers enger Jeans während seiner Welttournee hervor!

mehr dazu: Amerikas Skandalkönig Calvin Klein provoziert seit 40 Jahren

Designerwechsel – ein Risiko, das die Zukunft bestimmt

 

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