Kleider machen mehr als Leute

Ein Hemd registriert, wieviel jemand trinkt. Eine Brille erkennt, was man isst. Smarte Textilien und Accessoires könnten bald zu unseren ständigen Wächtern werden.

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Ersetzen die  Menschen bald ihre „dummen“ Kleider durch eine breite Palette an smarten Textilien? Vergisst man im Alltagsstress zu trinken, warnt ein smartes Hemd vor Dehydration.  Ein Brillengestell ist sogar fähig, die verschlungenen Nahrungsmittel zu erkennen. Bis anhin ist in intelligente Kleider und Accessoires vor allem die Technologie der Smartphones und –watches geflossen. Sie beschränkt sich aber fast ausschliesslich auf die Aufnahme und Auswertung des Standortes und der Fortbewegung. Ausserdem wird die Anzahl der Schritte oder zurückgelegten Distanzen nur selten langzeitig im Alltagsleben aufgezeichnet. Bald aber kann unsere Kleidung mehr. Viel mehr. Sie wird… Lire la suite

Weg mit der Krawatte

Donald Trumps grässlich feuerrote Krawatte, die provokativ bis zum Hosenladen herunterfällt, lässt perplex.  Dass er gewinnen würde, war nicht den Meinungsforschern, jedoch den Krawattenkennern klar: In Amerika ist die Rote die Krawatte des Siegers, die sich einst schon George W. Bush umgebunden hat. Sie steht für Mut, Macht und Männlichkeit und überdeckt schillernd versteckte Komplexe. In Frankreich zählen die Schwarze und die Marine zum guten politischen Geschmack. Just nach ihrer Qualifikation in die konservative Stichwahl haben sich jedoch Alain Juppé und François Fillon ebenfalls eine Rote umgebunden. Lächerlich. Doch oben ohne geht es in der Politik (noch) nicht: Frankreichs krawattenlose Präsidentschaftskandidaten haben alle eine Schlappe an den Vorwahlen eingefangen. Zu locker. Zu fahrig. Am letzten Sonntag standen sich die linken Präsidentschaftskandidaten gegenüber: Benoît Hamon siegte haushoch als moderner Denker mit der schmalen Schwarzen zum Slim-Anzug gegen Manuel Valls, der feinfühlig seine bekannte Autorität mit einer Hellblauen ausbalanciert hat. Das gefällt dem Männermodedesigner Lucas Ossendrijver. Blau, Schwarz und Rot seien zu kodiert; Trumps roter Halsschmuck „ein bisschen schwierig“. Darüber macht sich der Schweizer Jungdesigner Julian Zigerli nicht einmal Gedanken. Sämtliche Krawatten sind für ihn Schnee von gestern. Die Revolution der Millenials hat begonnen. Als Linksextremist mit utopischem, volksnahen Gedankengut versteckt Benoît Hamon bereits die Schale samt Krawatte unter einer Mainstream-Parka. In zwanzig Jahren ist es mit dem männlichen Statussymbol der 20. Jahrhunderts sowieso aus. Statur und Bedeutung werden ab sofort krawattenlos mit einem am Hals zugeknöpften schneeweissen Hemd demonstriert oder einem feinen Rollkragenpulli in warmen Farbtönen: Fuchsrot für Trump.

Ein Kinderspiel

Weit weg von allem Formellen macht die Highfashion der Männer die Mode zum Spiel mit Slogans, Sport und Teddybären.

Street-, Sport-, Skate- und Workwear werden nicht mehr nur privat oder auf der Baustelle getragen. Die Männermodeshows von London, Mailand, Paris und jetzt in New York geben einen köstlichen Vorgeschmack der nächsten Herbst- und Wintermode. Der Mann wird auch im Büro, der Chefetage, an Vernissagen und Versammlungen auf Komfort mit Pfiff zählen können. Drei Trends machen es möglich: Athleisure  als Luxus-Sportwear der Highfashion und Activewear aus technischen Materialien top modisch aufgemotzt. Gemeinsam dienen sie dem dritten Trend, der Verherrlichung der Millenials-Generation, die surft, spielt, trekkt und tanzt. Klar sind die unter Zwanzigjährigen ein Zielpublikum der grossen Modemarken, doch der … Lire la suite