Erfolgreich und glücklich im Rhythmus der Chronobiologie

Wer seine inneren Uhren kennt und respektiert, ist leistungsfähiger, ausgeglichener und glücklicher.

Stört unser Lebenswandel das regelmässige Ticken unserer inneren Uhren, ernten wir einen Jetlag, schlechten Schlaf oder sogar eine Depression. Laut den Chronobiologen, die unsere biologischen Rhythmen seit hundert Jahren erforschen, laufen diese im Takt von 90 Minuten, 24 Stunden, 30 Tagen und einem Jahr. Tag und Nacht. Hormonproduktion und Körpertemperatur sind die wichtigsten Zeitgeber. Kennt und respektiert man sie, kann Stress abgebaut und die Leistung erhöht werden.

Vor zehn Uhr morgens etwas Druckreifes zu produzieren, entspräche einer geistigen Folter. Denn noch ist nur das Kurzgedächtnis in Fahrt, da sich die Körpertemperatur seit dem Erwachen noch im Ansteigen befindet. Das gleiche gilt für die Kinder. Doch erbarmungslos müssen die meisten ab 8 Uhr die Schulbank drücken. Singen oder spielerische Übungen wären das Richtige für sie, während sich die Morgenstunden im Büro zum lockeren Leeren der Mailbox eignen. Wichtige Antworten sollte man jedoch noch liegen lassen. Lange Sitzungen, Reden und alle Arbeiten, die ein vernetztes Denken verlangen, sind überhaupt vor zehn Uhr zu vermeiden.

Dank dem Anstieg der Körpertemperatur und des Zuckerspiegels im Blut sind wir nämlich erst zwischen zehn und halb zwölf zu Glanzleistungen fähig. Das ist der beste Moment für entscheidende Gespräche oder das Verfassen von komplizierten Dokumenten, denn jetzt spukt das Langzeitgedächtnis die notwendigen Informationen automatisch aus, die dort während den REM-Phasen des Schlafes gespeichert worden sind. Deshalb lohnt es sich auch für Kinder, einen Wortschatz, Gedichte oder eine Lektion am Vorabend kurz vor dem Schlafengehen auswendig zu lernen.

Das Aus nach dem Mittagessen

Da der 90-Minuten-Rhythmus unserer fünf Schlafphasen auch tagsüber weiter tickt, sollte alle eineinhalb Stunden eine Pause eingelegt werden, um effizient zu bleiben. Es reicht, frische Luft zu schnappen, etwas zu trinken oder sich kräftig auszustrecken. Nach dem Mittagessen um 14 Uhr ist es aber mit den Hochleistungen wieder ganz aus. Die Temperatur beginnt zu sinken; der Organismus ist mit der Verdauung beschäftigt. Jetzt sollte man sich die von Ärzten, Psychologen und Chronobiologen empfohlene, kurze Siesta (maximum 30 Minuten) gönnen. Verschiedene Studien haben bewiesen, dass die Leistung und die Kreativität anschliessend besser ansteigt als bei denjenigen, die kein Nickerchen gehalten haben.

Ab 15 Uhr gleiten alle in die nächste Hochphase und leiten prägnante Sitzungen, vertreten brillant ihre Standpunkte oder erbringen die wichtigsten, auch körperlichen Arbeiten des Tages. Kinder sind jetzt, ja mitten im Nachmittag fähig, mathematische Komplikationen oder grammatikalische Spitzfindigkeiten zu bewältigen. Bei sinkender Temperatur ab 16.30 Uhr erfreuen sich viele an zwei kreativen Stunden: Brainstormen, Komponieren oder Planen sind jetzt das Richtige.

Mehr als acht Stunden Arbeit pro Tag bezeichnen die Chronobiologen als ungesund. Wer doch noch abends an ein Event, eine Sitzung oder eine Versammlung muss, sollte unterwegs  in den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Entspannung die Augen schliessen oder den Weg zu Fuss zurücklegen, damit sich der Geist an neuen Impulsen erfreut. Um diesen fit zu halten, sollte man jedesmal einen anderen Weg wählen. Der dadurch notwendige Orientierungssinn regt die Hirnzellen an.

Jugendliche schlafen lassen

Die Kinder müssten um 20 Uhr im Bett liegen, was der Alltag kaum zulässt. Pubertierende Jugendliche hingegen finden oft vor 22 Uhr keinen Schlaf und sollte man eigentlich bis neun Uhr morgens schlafen lassen. Ansonsten haben wir unser individuelles, lebenslanges Schlafbedürfnis in den Genen. Ein reiner Tagesmensch muss um elf ins Bett, um fit zu bleiben. Die Frühaufsteher noch früher; die Nachtvögel etwas später. Zu welcher Gruppe man zählt, lässt sich ebenfalls am Thermometer ablesen: Dasjenige der Lerchen gibt morgens um sieben zwischen 36,8 und 37 Grad an, während es die Nachtmenschen nur auf 36,5 und 36,7 Grad bringen. Je nach dem verschieben sich entsprechend ihre effizientesten Tagesstunden um rund 90 Minuten.

Zudem: Dienstag und Mittwoch sind Hochleistungstage. Am Montag sollten wichtige Termine vermieden werden, denn das Wochenende mit mehr Schlaf oder einem verschobenen Rythmus bringt uns aus dem Gleichgewicht. Einwöchige Ferien sind zu kurz, und auch lange Sommerferien bringen unser Zeitgefühl durcheinaner. Die Chronobiologen geben je zwei Wochen im Herbst und Frühling den Vorrang, damit wir gesund und munter durch den Winter kommen.