EVENTS PARIS

Rodin. L’exposition du centenaire

Grand Palais, Paris

22 Mars 201731 Juillet 2017

Tous les jours de 10h à 20h  Nocturne le mercredi, vendredi et samedi de 10h à 22h

 

 

www.salondulivrerare.paris

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Silvia Bächli  Eric Hattan, Situer la différence

exposition du 28 avril au 16 juillet 2017

Centre Culturel Suisse, 38, rue de Francs Bourgeois, 75003 Paris

Vernissage: jeudi, 27 avril 2017 à partir de 18H

 

Galerie Laurent Strouk

Oeuvres inédites du « street artist » français 8 BRUSK

copyright Brusk,
Paontonime

8 juin au 15 août 2017 – Vernissage, le 8 juin à 18H

2, avenue Matignon, 75008 Paris

 

Fillon neuer Favorit der konservativen Franzosen

Dank einer unglaublichen Dynamik ist es François Fillon gelungen, Nicolas Sarkozy aus dem Vorwahlkampf zu eliminieren. Der zweitplatzierte Alain Juppé besitzt nur noch wenige Chance, um die Präsidentschaftskandidatur in der Endrunde vom nächsten Wochenende zu gewinnen.

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Fillons Aufholjagd der letzten Tage gleicht seinem Hobby: Der erzkonservative Politiker und Rallyfahrer hat seit der TV-Debatte vom letzten Donnerstag alle überholt. Fast 45 Prozent der konservativen Wähler haben für ihn gestimmt. Der Favorit Alain Juppé holte einen überraschend kleinen Stimmenanteil von 28 Prozent und Nicolas Sarkozy muss mit 22 % aufgeben. « Ich habe meine Werte und Ueberzeugungen verteidigt, habe es aber nicht geschafft, die Mehrheit zu überzeugen », meinte dieser gestern enttäuscht nach der Bekanntgabe der Resultate. Zu seinem Nachteil haben sich rund vier Millionen Franzosen an der Vorwahl um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Konservativen beteiligt. Ein Paradox, denn … Lire la suite

Unmöglich französisch

Wer hat das letzte Wort?

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Sind wir reif (mûr) für die neue französische Rechtsschreibung oder drückt sie uns an die Wand (mur)? Seit Jahrhunderten streiten sich der französische Staat und die einst königliche Akademie um die Vereinfachung ihrer Muttersprache. Auch im heutigen Gefecht ums Circonflexe vertritt die Republik im Namen der Egalité – die ihr schrilles Aigu behält – alle Franzosen, insbesondere seine wohlbehüteten Knirpse, denen sie das Lernen erleichtern will. Die von König Ludwig XIII und Kardinal Richelieu gegründete Académie Française schützt hingegen seit 1620 die Ursprünge der Sprache, den Adel und die Elite. Skrupellos lehnte sie im 18. Jahrhundert etwa die Vorschläge der Reformisten „als Zeichen des Unterschiedes zwischen Sprachwissenschaftlern und den Ungebildeten“ ab. „Die Schrift ist das Gemälde der Stimme, je mehr sie ihr gleicht desto besser ist sie“, antwortete Voltaire 1777. Kühn ersetzte er sodann in seinen Schriften das oi durch ein ai, ein Vorschlag, den die Akademie erst 1835 absegnen wird. Mit dem Recht auf Bildung für alle und Frankreichs Eröffnung unzähliger öffentlicher Grundschulen Ende des 18. Jahrhunderts sind die Gepflogenheiten der französischen Rechtschreibung aber längst nicht mehr einzig Sache von Frankreichs vierzig Akademiemitgliedern, den sogenannten Unsterblichen.

Zirkumflex und Grave wechseln den Platz
Seit kurzem ist der verbale Schlagabtausch um etymologische und phonetische Funktionen erneut in Paris entfacht. „Aus mit dem Circonflexe“ oder „Umstellen geht nicht mehr“- titeln seit dem letzten Frühling die französischen Tageszeitungen. Viele schreiben sich in Twitter die Finger wund. Sogar von der Abschaffung aller Betonungszeichen ist die Rede. Von Exhumierung und Tod. Überforderte Lehrer, hoffnungslose Nostalgiker, die progressive Erziehungsministerin Najad Vallaud-Belkacem und die konservative Akademie Frankreichs streiten um den Satus-Quo versus Vereinfachung und Anpassung. Man könnte meinen, das Land der Menschenrechte stände vor einer Revolution. Dabei hat „NVB“ im Februar im Rahmen der Reform der Schulprogramme lediglich wiederholt, dass die 1990 abgesegneten Rechtschreibungsänderungen als Referenz und die traditionelle Schreibweise weiterhin als richtig gälten. Jetzt kommen allerdings diese Aenderungen von rund 2000 Wörtern zum Schulbeginn von Herbst 2016 in die Schulprogramme. Vor allem das verflixte Zirkumflex und das langgezogene Accent grave (schlimm, tief) sorgen seither für Diskussionsstoff.

Kein Grund zur Panik
Sie werden nicht abgeschafft. Das Französisch wird weiterhin bekleidet durch die Welt flanieren. Das borgend, abgeschlossen wirkende Dach ^, dieser Hut, der Migräne verursacht, wird nicht total eliminiert, einzig auf dem „i“ und dem „u“. Man kann sich mit entraîner trainieren, das jetzt als entrainer zu schreiben ist, weil das Circonflexe keinen Einfluss auf die Betonung besitzt. Markiert es aber die Endung eines Verbes darf es bleiben: Zum Beispiel im Konjunktiv der Vergangenheit – „qu’il fût“ – dass er geworden war. Ja, lange ist es her, seit der Philosoph René Descartes 1637 das ursprüngliche „s“ – qu’il fust – mit dem Dachzeichen ersetzt hat! Das war einfacher als heute. Die Ausnahmen kann sich kaum jemand einprägen: Die Eigennamen behalten ihr Dach und auch gleiche Worte mit widersprüchlichem Sinn: du (des) – dû (Schuld, ausstehend). Dass sich oignon (Zwiebel) nun in ognon schält, treibt das Wasser in die Augen. Der amerikanische Revolver hingegen wird als révolver französisiert.

Kleine Reformette und Weltruhm
Es ist das Französisch der Zukunft, in das die Erstklässler sofort einsteigen sollen. Ob es den Lehrern, Schriftstellern und Publizisten gefällt oder nicht, die revidierte Orthographie von 1990 wird zur Referenz. Es handle sich um keine Revolution, sondern lediglich um eine kleine Reformette, beschwichtigt das Erziehungsministerium. „Die Reform wird bald in Vergessenheit geraten“, poltert hingegen Hélène Carrère d’Encausse im „Figaro“. Die Akademie habe sie 1990 lediglich grundsätzlich und nicht im Detail abgesegnet, schwört deren auf ewig gewählte Secrétaire perpetuelle. Denn Ende der 1980er Jahre hatte das Französische in der Welt an Ruhm verloren. Viel zu vielschichtig, verlangten die Linguisten eine Reform, weshalb Alt-Premier Minister Michel Rocard den inzwischen aufgelösten Conseil Supérieur de la Langue Française CSLF gründete, eine staatliche Kommission mit Experten als Mitgliedern, die die heute zur Diskussion stehende Rechtsschreibung ausgebrütet haben.

Umstellen unmöglich
„Es ist schwierig“, stöhnt allerdings ein Primarlehrer im Pariser Viertel Bolivar. Die neuen Regeln verwirrten die Kinder. Die Bindestriche fielen ja auch teilweise weg und die Mehrzahl zusammengesetzter Wörter ändere, seufzt er. Alles abzuspeichern, gleicht einem Computer im Kopf. Die Schweizer haben ebenfalls Mühe damit. Ihre Conférence intercantonale de l’instruction publique der Westschweiz und des Tessins hat die berüchtigte Rechtschreibungsreform schon 1996 abgesegnet, aber präzisiert, es stehe jedem frei, die Berichtigungen oder die traditionelle Schreibweise anzuwenden. Beide sind möglich. Beide bleiben richtig, was die Arbeit der Maîtres – nun maitres – erschwert. „Die Rechtschreibereform ist bei uns kein Thema. Den Schülern zu erklären, dass es eine klassische und eine reformierte Variante gibt, wäre nicht sinnvoll – es würde die Rechtschreibung nur komplizierter gestalten – und die ist schon schwierig genug“, meint Gymnasiallehrer Beat Herrmann in Baden. Sofern es nicht um eine Bedeutungsänderung wie „mur – mûr“ gehe, würden weggelassene Akzente kaum als Fehler gewertet. Auch in der Romandie fasst Frankreichs Durchbruch noch nicht Fuss. Denn als Verleger macht die CIIP die Reform im Schulstoff nicht zur Norm. Was aber nicht ist, kann noch werden. In Frankreich jedenfalls hat Vallaud-Belkacem die Schulreform nicht im Parlament abstimmen lassen, sondern per Dekret verordnet. Der neue mit einer roten Makrone am Umschlag gekennzeichnete Primarschulstoff ist in Druck.

Kleider als Gemälde

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Symbolismus, Expressionismus, Renaissance, Pop- oder Street-Art – die Kleider der Männer des nächsten Sommers werden zur Leinwand: In Striemen und Klecksen marmorieren bei Issey Myake die Ölfarben. Nachtblumen schimmern auf Phillip Lims Hemden. Lanvins Blousons werden zu Comicheften mit Pin-Ups in der Grossstadt. Wie aus der Dose aufgesprayt erhält Diors Anzug weisse Balken. Auf Hosen und Shirts quellt Stracciatella-Eiscreme beim Schweizer Julian Zigerli. Angst und Bange flössen die Schattenspiele seiner Hemden aus. Wie ein Pinselstrich ziert Ungaro diese im Zickzack. Doch der grosse Trend besteht aus optischen Täuschungen: Dries van Notens getarnte Militärmäntel entpuppen sich näher betrachtet als verblichene Gobelins aus der Renaissance.

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Dior homme

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Frankreich – das Eldorado der Auslandschweizer

Martin Strebel

Den schmalen Tälern und allem Engstirnigen entrinnen. Wer die kleine Schweiz verlässt, um im grosszügigen Frankreich seine Flügel auszubreiten, wird wie Schriftsteller Blaise Cendrars zum Weltenbürger, will Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit teilen. Wenn Schweizer die Koffer packen, um sich definitiv oder zumindest einstweilig jenseits des Juras niederzulassen, spielen solche Gedanken eine Rolle. Nicht aber die Hauptrolle.

Mit 198 647 in Frankreich registrierten Schweizern handelt es sich überhaupt weltweit um die grösste Auslandschweizerkolonie: Die Eidgenossen leben im ganzen Land verteilt, mit Vorliebe zwischen dem Jura und Lyon bis nach Paris. Die Côte d’Azur lockt nach wie vor zur Rente in der Sonne. Doch auch in Marseille wohnen noch immer die Nachkommen protestantischer Handelsfamilien, die sich bereits im 16. Jahrhundert in der Hafenstadt niedergelassen haben. Das gleiche gilt für Bordeaux. Denn der Grossteil dieser Schweizer residiert schon seit Generationen im westlichen Nachbarland und besitzt zu 84 Prozent auch die französische Staatsbürgerschaft. Die historische Spur führt weit zurück zur … Lire la suite

Zu Gast bei… Akris

Die Gäste treten durch die beiden sechsmeter hohen Säulen des Südportals in den erhabenen Grand Palais und steigen bedächtig die monumentale Treppe hinauf. Viele sprechen Hoch- und Schweizerdeutsch, denn Akris aus St. Gallen ist das einzige Schweizer Label, das sich an den Fashionweeks behauptet. Einmal im Saal ändert der Stil. Der Schnörkel bleibt vor der Tür, dahinter  stehen verträumte Birken in der Mitte eines wie ein modernes Gebäude aufgebauten, weissen Holzgestells. Der Laufsteg ist sehr lang, das Ambiente familiär. Auf jedem Sitzplatz liegen für jeden Gast vier feine Truffes eines Schweizer Chocolatiers bereit, verpackt in ein 14-cm-langes rotes Kartonschächteli mit weissem Deckel, das vorzüglich zu den langen, weissen Bänken passt. Zwei Schweizer Moderedaktorinnen sprechen über ihre Haarlänge. Plötzlich wird es ganz still im Saal. Raunend setzt die Musik ein während die Models in weissen Halbschuhen mit dicken Sohlen den Laufsteg betreten. Die Nieten glänzen wie Alu. Ein Hemd lässt dank einem Scherenschnitt die Haut durchblicken. Die einseitig plissierten Röcken sind wadenlang; die Hosen ebenso im 3/4-Look. Jetzt ertönen Geigen. Lackmäntel, superdünner Seidenjersey, rassige Netze am Tailleur oder ein perfekter Hosenanzug in Wildleder…trotz salopper Herrenanzüge arbeitet diese Frau des Frühlings und Sommers 2016 mit blitzenden, kleinen Sonnenbrillen kaum. Sie wandert leichtfüssig durch die Stadt, geht an Vernissagen und zum Shoppen, mal in knallrot, mal in auffälligem Königsblau. Bernardino Regazzoni reisst seine Augen weit auf. Der folgende kurze, silbrige Mantel in Trapezform löst beim Schweizer Botschafter in Paris sodann ein spontanes Schmunzeln aus. Zum Schluss kommen alle Models nochmals. Zum leichten Nylonblouson getragen, verwandeln sich all diese eleganten, luxeriösen Sachen in einen saloppen Sportswear. Bei Albert Kriemler kommen anschliessend alle Gäste und Neugierigen problemlos in den Back-Stage. Arkis’ Chefdesigner kennt keine Starallüren. « Er überrascht mit einer jeden Kollektion », meint Conchita Wurst ganz in Weiss in einem tief dekolltierten Hosenanzug des St-Galler Edellabels, das doch eigentlich ganz konservativ sei. « Und plötzlich wird dann doch Haut gezeigt » lacht die Sängerin mit strahlendem Blick und dicken, falschen Wimpern. « Die Kollektion ist aus einer sinnlichen Verwandschaft mit dem japanischen Architekten Sou Fujimoto entstanden. Wir haben uns seit dem letzten Mai mehrmals getroffen », präzisiert Albert Kriemler. Diese Symbiose entspreche der gemeinsamen Vorstellung, wie Häuser und Kleider sein müssten. « Komfort muss man schaffen. Das haben viele Leute vergessen ».

Albert Kriemler in Sou Fujimotos Studio

Jean Paul Gaultier verabschiedet sich mit Humor

Seinen weltberühmten Matrosenpulli wird es nicht mehr geben. Am letzten Samstag zeigte Jean Paul Gaultier während der Pariser Modewoche seine letzte Prêt-à-Porter-Show.

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Der dichtgedrängte Menschenauflauf versperrt die halbe Strasse der Grand Boulevards. Ein Polizeibeamter muss den Verkehr auf die Gegenspur umleiten. Es wird gehupt und gestossen. Die Gäste schlängeln sich dennoch gut gelaunt durch die Paparazzis und Schaulustigen zu Jean Paul Gaultiers aller letzter Prêt-à-Porter-Show. Die riesigen Leuchtbuchstaben des legendären Pariser Kinos « Le Grand Rex » kündigen keine herkömmliche Modeschau, sondern die Wahl von « Miss Jean Paul Gaultier 2015 aus Frankreich und Uebersee » an. Dass Jean Paul auch an die Kolonien denkt, ist kein Detail. Nie hat Gaultier die Minderheiten und die kulturelle Vielfalt vergessen. Nur er holte runde Models auf seinen Laufsteg oder feierte mit einem schwarzen Mann als Aushängeschild, sexy und muskulös, vor acht Jahren das 30jährige Bestehen seines Labels. Das Aus kommt jetzt wie ein Hammerschlag. Seit 38 Jahren entwirft der in bescheidenen Verhältnissen im Pariser Vorrort Arcueil aufgewachsene Franzose Mode für alle.
Deshalb passt es, dass er sich nicht mit einer stereotypen Modeschau, sondern mit einer durch die Choreographin Blanca Li inszenierten, verrückten Parodie verabschiedet. Denn als sein 1974 gegründetes, zu Beginn floppendes Label in den 1980er Jahren am Modehimmel aufstieg, organisierten Gaultier und die sogenannten « neuen Modedesigner » (Mugler, Montana, Alaïa) keine klassischen Präsentationen für eine auserlesene Kundschaft, sondern riesige, dem breiten Publikum zugängliche Shows. Der Platinblonde hatte sich auch nicht wie seine Vorgänger zuerst durch die Haute Couture hochgearbeitet, sondern stieg direkt in den frisch eingeführten Prêt-à-Porter ein. Diesem sagt der inzwischen 62jährige Couturier jetzt Adieu, weil er sich grundsätzlich verändert habe. « Nur in der Haute Couture kann ich mich heute wirklich ausleben. Die geschäftlichen Zwänge des Prêt-à-Porters und sein unentwegt beschleundigter Rythmus bieten weder die zur Selbstbesinnung und zur Innovation notwendige Freiheit noch die Zeit », begründet der Couturier den Rückritt. Der Avantgardist, der stets der Zeit einen Schritt voraus war, kann und will mit dem heutigen Tempo der Modeindustrie nicht mehr Schritt halten. Er will sich nur noch in der kreativeren Haute Couture verwirklichen. Der breiten Masse bleiben lediglich seine originellen und sehr erfolgreichen Parfums, die 40 Prozent von Gaultiers Umsatz ausmachen.

Rockige Röcke für Männer
Obwohl es seine Muse, die spanische Schauspielerin Rossy de Palma schafft, das seriöse Modepublikum im Grand Rex mit einer witzig gewürzten Vorstellung aufzuheitern, hinterlässt die Show einen bitteren Nachgeschmack. Als Rebell und Star ohne Starallüren wird Jean Paul der Mode fehlen. Der Sohn einer Sekretärin und eines Buchhalters konnte mit Zahlen nie viel anfangen. Mit fünfzehn wusste er jedoch haargenau, dass nur das Modemachen für ihn in Frage kommt. Mit achtzehn stellte ihn Pierre Cardin an. «Er hat der französischen Mode derart viel beigesteuert. Keiner hatte international mehr Einfluss als er », lobt der heute 92jährige Cardin an der Bar im Rex seinen einstigen Lehrling, der sich in den 1980er Jahren am lebhaften Londoner Nachtleben, den Strassenmärkten und in Trendshops inspiriert hat. Den Matrosenpulli hat Gaultier allerdings nicht erfunden. Coco Chanel und Yves Saint Laurent hatten das blau-weiss gestreifte bretonische Matrosenshirt bereits zuvor zur Highfashion gemacht. Seit Gaultiers « Boy Toy »-Kollektion von 1983 war sein Markenzeichen jedoch in einer jeden seiner Kollektionen präsent. Die Ikone der Schwulenszene hat die Strassenmode auf den Catwalk geholt und mit seinem mutigen Unisex einen frenetischen Durchburch ausgelöst : Er steckte die Männer in Röcke und was für Röcke : Schicke Kilts oder schwingende Abgesteppte in goldigem Seidensatin. Das hat ihm niemand vor- oder nachgemacht.

Die Korsette aus Grossmutters Truhe

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Internationale Anerkennung errang Gaultier 1990 als er Madonna in einem konisch spitzbusigen Korsett auf ihre « Blond Ambition Tournee » rund um den Erdball schickte. Auch Mylène Farmer und Kylie Minogue bestellten ihre heissen Bühnenkostüme bei Jean Paul, der schon als Knabe mit Grossmutters Korsetten gespielt hatte. Die Couturière, die den Enkel zum Stoffkauf nach Paris mitnahm, war seine erste Muse. Auch seine Leidenschaft für die Bühne und das Kino spriess bereits bei Oma vor dem Fernseher, wo die Tänzerinnen des Cabarets «Les Follies Bergères » den Dreikäsehoch faszinierten. Wie immer sitzt Catherine Deneuve auch an seiner letzten Show in der ersten Reihe. Auch auf den Laufsteg hat Gaultier regelmässig Leute von der Bühne geholt: 2011 zeigte Mylène Farmer sein aus Federn konfektioniertes, schwarzes ( !) Hochzeitskleid, und Conchita Wurst modelte für ihn kurz nach ihrem Sieg am letztjährigen Eurovision Song Contest.
Gaultiers Teddy-Banane und sein späterer Hahnenkamm haben sich im laufe der Jahrzehnte zum graumelierten Bürstenschnitt verwandelt. « Spass » habe ihm alles gemacht, erklärt der bubenhafte Senior hinter den Kulissen des Grand Rex. Auch wenn er sich zu Beginn dieses Jahrtausends zuviel aufgeladen und die Uebersicht seiner Firma verloren hat. 2004 trat er zusätzlich zu seinen sechs eigenen Kollektionen pro Jahr den Chefdesignerposten im edlen Luxushause Hermès an, das zuerst 35, dann 45 Prozent des Aktienkapitals der Jean Paul Gaultier SA übernahm. Während seiner sechsjährigen Tätigkeit für Hermès fehlte dem Unermüdlichen allerdings die notwendige Puste, um seinem eigenen Label weiterhin rassige Impulse einzuverleiben. Als er 2010 Hermès verliess, kaufte der spanische Luxuskonzern Puig sein Label. Seither leitete der Modeschöpfer zwar selbst als Präsident seine Firma, verzettelte sich jedoch, indem er etwa auch ins Design einstieg. Laut den französischen Medien verringere sich sein Umsatz seither pro Jahr um zehn Millionen Euro und er verliere deren sieben.

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Nur noch dieses eine Mal zeigen Models mit Löwenmähnen raffinierte Smokings, tätovierte Jeans und graziöse Perfectos. Sie imitieren die berühmtesten Moderedaktorinnen oder treten als glamouröse Miss Fussballergattinnen auf. Die Miss Vintage – waschechte Models in hohem Alter – gleiten am Arm eines jungen Burschen über den Laufsteg. Unter einem Goldregen hindurch grüsst Jean Paul Gaultier zum letzten Mal das sprachlose Publikum. Dann fällt der Vorhang schlagartig. « Die Welt hat sich verändert. Ich habe mich verändert. Mein Alter erlaubt es mir nicht mehr, Gaultier zu machen», meint der Modemacher nach der Show, den Champagnerkelch in der Hand. Es gäbe keinen Grund, traurig zu sein. Neue Projekte keimten bereits.

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Jean Paul Gaultier, immer ein Schritt voraus…

Jean Paul Gaultier PorträtCopyright Rainer Torrado

1974 : Sein Look Perfecto/Ballettröckchen/Turnschuhe ist ein Flopp, wird aber in den 1990ern zum Must
1976 : Seine raffinierten Korsette machen aus der Unterwäsche ein Outfit, das sich 1990 allgemein durchsetzt
1983 : Der Matrosenpulli gilt noch heute generell als Symbol für « Made in France »
1984 : Mit seinem Männerrock schreibt Gaultier Modegeschichte
1988 : Gaultier Junior für die Knirpse ist ein trendiges Marksegment, in die Luxusmarken sodann einsteigen
1993 : Sein Parfum « Jean Paul Gaultier » in Büstenform und Korsett macht den Flakon zum sinnlichen Objekt
1997 : Seine aalglatten Kostüme tragen zum Erfolg von Luc Bessons Science-Fiction-Film « Das fünfte Element » bei
2003 : « Tout beau tout propre » ist die erste Schminkpallette für den Mann
2004 : Zwei Männer beenden als Hochzeitspaar seine Show. Im letzten Jahr hat Frankreich die Homoehe offiziell eingeführt

Bilder:Patrice Stable p/o Jean Paul Gaultier (Show), Stanislas Alleaume p/o Jean Paul Gaultier (Backstage), 4.10.2014 

Légende d’une chaussure rebelle

Symbole du monde d’ouvrier et de la rébellion,  les légendaires Dr. Martens influencent maintenant les podiums des grandes marques de la mode masculine.

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Le modèle de Kenzo automne-hiver 2014/15, copyright eeh

Même le pape Jean-Paul II aimait les Docs. Quant au dalaï-lama, nul n’ignore son empathie pour la marque de légende. Plus communément, les médecins n’hésitent pas à les porter pour avaler plus aisément les kilomètres de couloirs d’hôpitaux, les avocats ceux des palais de justice. « Ces chaussures donnent l’impression de marcher dans l’air », écrivait déjà, en 1960, le journaliste de la revue anglaise Shoe & Leather News. Les Doc Martens venaient de naître à grande échelle. Rappel permanent de sa date de lancement le 1er avril 1960, le 1460, le premier modèle devenu fétiche et sorti de la fabrique anglaise R. Griggs & Co, ont fêté, il y a quatre ans, leurs 50ème anniversaire. Pourtant, cette mode d’ouvrier, aujourd’hui appelée workwear, redevient tendance: des grandes marques de la mode masculine à l’instar de Kenzo qui lance des chaussures sur d’épaisses semelles en caoutchouc ressemblant aux fameux Doc Martens en version plus chic.

L’histoire des « Doc » qui débute réellement en 1945 rappelle cependant une sombre période: un ex-soldat allemand, le docteur Klaus Maertens, se casse le pied en skiant dans les Alpes. En pleine pénurie de cette fin de guerre, il se bricole avec du matériel retrouvé dans des débris une chaussure orthopédique qui tient bien son pied meurtri. Un des amis luxembourgeois du docteur Maertens, également médecin, est fasciné par ce prototype en semelle de gomme épaisse à coussin d’air. Les deux praticiens décident alors de la produire en nombre et de la commercialiser. En 1959, les deux associés veulent franchiser cette chaussure orthopédique à succès. C’est l’aubaine pour l’usine de Bill Griggs, située dans le comté de Northamptonshire, au centre de l’Angleterre, et spécialisée dans la fabrication de chaussures de travail et de bottes militaires. Huit œillets, cuir de couleur sang de bœuf, fil de couture jaune, Bill Griggs peaufine le design et lance les Dr. Martens sous le nom « Air Wair ». Comme elles sont résistantes à l’eau, à l’huile, au pétrole et à l’acide, les premiers acquéreurs sont des poissonniers d’East London, des facteurs, des ouvriers, des constructeurs, des médecins et des policiers.

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L’originale qui inspire: les Doc Martens du fabriquant anglais Griggs, photo zvg

À l’époque, 5 000 paires sont produites par semaine ; aujourd’hui, 200 000 chaque semaine sortent des usines en Asie, où le groupe a délocalisé la production en 2003. Mais des Docs sans le tampon « Made in England » ne font pas culte. La marque a donc repris la petite partie de production, notamment les vintages et les éditions limitées, sur les vieux métiers anglais.

D’abord destinées au monde du travail, les DM’s ont connu une percée fulgurante, politique et rebelle. Très vite, en effet, elles ont été adoptées par une population plus anticonformiste : les trotskistes et les socialistes les mettent en scène tout comme les Teddy Boys et les premiers skinheads londoniens des années 1960. « Mods », glam rock, punks, hardcore, rock ou grunge, les subcultures, l’underground et les musiciens anglais les rendent « fashion ». Noddy Holder, chanteur des Slade, associe les Derby 1461 à son look en tartan. Sur scène, le bassiste des Cure, Simon Gallup, porte les 1460 jusqu’au genou. Mais Air Wair a aussi été distribué à des 10 000 sans personnes sans abris. Printemps arabe, révolution ukrainienne, casseurs de fin de manifestation en France, il n’est donc pas étonnant que cette infatiguable chaussure influence la mode actuelle.

Lanvin: Der neue Biss der Männermode

Sexy, edel und doch diskret: Aus Emotionen machen Alber Elbaz und Lucas Ossendrijver bei Lanvin eine Mode, die jeder Mann begehrt. Die beiden Designer lancieren Trends am laufenden Band, obwohl es um Kleider zum Aufbewahren geht.

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“Es braucht Zeit, um eine Marke aufzubauen, denn nicht alles im Leben entsteht wie ein Nescafé”. Mit diesem Satz beschreibt Lanvins Artdirector Alber Elbaz das Ausmass, wenn es gilt, ein berühmtes Label neu auf Vordermann zu bringen. Für Lanvin ist die Männermode ein Schlüsselement: Jeanne Lanvin führte sie bereits 1926 ein. Bis zur Einstellung des Duos Elbaz-Ossendrijver misslang es der Marke, ihr Bild massgeschneiderter Politiker und Geschäftsmänner in eine begehrliche Trendmode zu verwandeln. 2001 machte die Firma gerade noch einen Umsatz von 50 Millionen Euros. Dieser hat sich inzwischen verdreifacht. Denn Alber Elbaz’ luxeriöse, aesthetisch aufs Minimum beschränkte Damenmode und Lucas Ossendrijvers Männermode, die Chic und Nonchalance vereint, machen aus Lanvin das wegleitende Trendlabel. Die von Ossendrijver eingeführten Turnschuhe sind ein Must und trotz unsichtbarem Logo sofort erkennbar. Der sensible, ungeduldige Pedant trägt sie selbst zu einer schwarzen Hose und zwei übereinander gelegten Hemden. “Alles Teile von Lanvin, aber aus verschiedenen Saisons. Ich mache Kleider zum Aufbewahren und zum Mixen”, betont der Holländer. Er wolle Teile für jedes Portemonnaie. “Dieser Luxussupermarkt ist eine geistige Erweiterung », meint der Unprätentiöse, der kaum Interviews gibt. Er beginnt den doppelten Espresso in der Hotelbar gegenüber des Pariser Modeshauses mit dem Schöggeli. Wenn der 40jährige von Stoffen und Farben spricht, mit denen er seine Kollektionen startet, schwingt Leidenschaft in seiner Stimme. Mal pure Leinen, mal technische Textilien, mal Papier, sein Spiel mit Proportionen und Materialien machen seine Kollektionen zu den besten. Mit Jogginghosen zu weiten Mänteln oder engen Jacketts hat Ossendrijver schon vor fünf Jahren neue Männertrends lanciert. “Wie ein Schwamm nehme ich alles auf, setze es aber in umgekehrter Richtung um », meint der Designer, der nach dem Studium an Modeschulen von Arnheim und Amsterdam für verschiedene Labels entwarf. Bei Dior realisierte der Holländer die klassiche Linie. Präzision und Anspruch habe er dort von Hedi Slimane gelernt. Die Mode bleibt für den auf dem Lande aufgewachsenen Superschlanken ein grosser Traum und ein Job in “höllischem Rhythmus”. Abstellen sei unmöglich. “Zu Fuss auf dem Heimweg oder im Nightclub leere ich den Kopf”. Diese Mischung macht seine Mode sexy. Breite Gürtel oder enthüllte Knöchel: “Die Zerbrechlichkeit fehlte in der Männermode. Doch gerade sie zeichnet den Franzosen aus”, meint Ossendrijver bevor er wieder in den Etagen der rue Boissy d’Anglade verschwindet.

Paris, September 2013 – Bild: nach der Lanvin-Show, Lucas Ossendrijver (links) und Alber Elbaz (rechts)