Neustart bei Lanvin

Frankreichs ältestes Modehaus kämpft um sein Überleben: Der neue Designer Oliver Lapidus soll die Marke zurück in die Gewinnzone führen.

LANVIN ready to wear spring summer 2018
Paris fashion week september 2017

Lanvin, Dior, Saint Laurent,  Balmain….all diese berühmten Modeplayer bestehen in Paris seit mehr als fünfzig Jahren und müssen nach dem Tod ihrer Gründer an den Fashionweeks stetig für neue Highlights, für das Weiterblühen ihrer Marke kämpfen. Dazu werden die weltbesten Modeschöpfer eingestellt oder entlassen, wenn sie nicht an die Erfolge ihrer Vorgänger anknüpfen können. An der Pariser Fashionweek war für Lanvins neuer Couturier Olivier Lapidus die erste Show gleich ein doppelter Challenge: Der charmante 59jährige muss das älteste französische Label in die Moderne führen und gleichzeitig die Kundinnen zurücklocken, die seit Alber Elbaz Weggang ausbleiben. Lire la suite

Frisches Blut in alten Modehäusern

Fashionweek Frühling/Sommer 2017: Paris hielt letzte Woche den Atem an, denn Saint Laurent, Lanvin und Dior gehören zum französischen Kulturgut. Am Dienstag hat Saint Laurents neuer Designer Anthony Vaccarello (34) die Kürze der Superminis seines genialen, rockigen Vorgängers Hedi Slimane übernommen ohne das nie vulgäre Sexappeal des Firmengründers Yves zu erreichen, trotz Leder, Vinyl, durchsichtiger Seide und enorm tiefen Dekoltees. Bescheiden bezeichnete auch Bouchra Jarrar (45) ihre erste Lanvinshow am Mittwoch als reine Ouverture. Die Französin hat sich dazu nicht am unverkennbaren Stil ihres Vorgängers Alber Elbaz inspiriert, sondern liess die edel geklärte Eleganz der Firmengründerin Jeanne in Satin aufleben mit schwarz-weissen Streifen an männlich geschnittenen Blusen, Hosen und Kimonomänteln. Bei Dior komponiert jetzt mit Maria Grazia Chiuri (52) erstmals eine Frau. Die Römerin hat am Freitag am meisten überrascht: Ganz in Schneeweiss, etwas Schwarz und Rot hat die Virtuose die Einflüsse aus dem Fecht- und Motorradsport mit Korsett-Tops aus Monsieur Diors Fifties romantisch vereint.

Drei Trends des nächsten Sommers

DESTRUKTURIERT                   TRANSPARENT               SCHULTERFREI

 

Kreativdirektor – ein Genie des vernetzten Denkens

In zähen Verhandlungen buhlen die französischen Modehäuser um die weltbesten Chefdesigner. Saint Laurent hat blitzschnell Hedi Slimane ersetzt. Diors Damenabteilung hingegen bleibt weiterhin verwaist.

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Früher entwarf ein Yves Saint Laurent eigenhändig seine Kollektionen allein vor dem weissen Blatt – heute ist der Kreativdirektor längst kein Solist mehr, sondern ein Dirigent, der seinem Team angibt, was es zu zeichnen hat. Er schleift überhaupt am ganzen Image einer Marke. Er muss eine starke Vision besitzen und sich dennoch in die manchmal fast hundertjährige Geschichte eines weltberühmten Traditionshauses einbetten. Diese Auffrischung des globalen Eindruckes ist Hedi Slimane (47) bei Yves Saint Laurent binnen vierer Jahre gelungen. Sogar weit weg vom Pariser Firmensitz, in Los Angeles, hielt das sensible Wunderkind der Modeszene … Lire la suite

Lanvin: Der neue Biss der Männermode

Sexy, edel und doch diskret: Aus Emotionen machen Alber Elbaz und Lucas Ossendrijver bei Lanvin eine Mode, die jeder Mann begehrt. Die beiden Designer lancieren Trends am laufenden Band, obwohl es um Kleider zum Aufbewahren geht.

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“Es braucht Zeit, um eine Marke aufzubauen, denn nicht alles im Leben entsteht wie ein Nescafé”. Mit diesem Satz beschreibt Lanvins Artdirector Alber Elbaz das Ausmass, wenn es gilt, ein berühmtes Label neu auf Vordermann zu bringen. Für Lanvin ist die Männermode ein Schlüsselement: Jeanne Lanvin führte sie bereits 1926 ein. Bis zur Einstellung des Duos Elbaz-Ossendrijver misslang es der Marke, ihr Bild massgeschneiderter Politiker und Geschäftsmänner in eine begehrliche Trendmode zu verwandeln. 2001 machte die Firma gerade noch einen Umsatz von 50 Millionen Euros. Dieser hat sich inzwischen verdreifacht. Denn Alber Elbaz’ luxeriöse, aesthetisch aufs Minimum beschränkte Damenmode und Lucas Ossendrijvers Männermode, die Chic und Nonchalance vereint, machen aus Lanvin das wegleitende Trendlabel. Die von Ossendrijver eingeführten Turnschuhe sind ein Must und trotz unsichtbarem Logo sofort erkennbar. Der sensible, ungeduldige Pedant trägt sie selbst zu einer schwarzen Hose und zwei übereinander gelegten Hemden. “Alles Teile von Lanvin, aber aus verschiedenen Saisons. Ich mache Kleider zum Aufbewahren und zum Mixen”, betont der Holländer. Er wolle Teile für jedes Portemonnaie. “Dieser Luxussupermarkt ist eine geistige Erweiterung », meint der Unprätentiöse, der kaum Interviews gibt. Er beginnt den doppelten Espresso in der Hotelbar gegenüber des Pariser Modeshauses mit dem Schöggeli. Wenn der 40jährige von Stoffen und Farben spricht, mit denen er seine Kollektionen startet, schwingt Leidenschaft in seiner Stimme. Mal pure Leinen, mal technische Textilien, mal Papier, sein Spiel mit Proportionen und Materialien machen seine Kollektionen zu den besten. Mit Jogginghosen zu weiten Mänteln oder engen Jacketts hat Ossendrijver schon vor fünf Jahren neue Männertrends lanciert. “Wie ein Schwamm nehme ich alles auf, setze es aber in umgekehrter Richtung um », meint der Designer, der nach dem Studium an Modeschulen von Arnheim und Amsterdam für verschiedene Labels entwarf. Bei Dior realisierte der Holländer die klassiche Linie. Präzision und Anspruch habe er dort von Hedi Slimane gelernt. Die Mode bleibt für den auf dem Lande aufgewachsenen Superschlanken ein grosser Traum und ein Job in “höllischem Rhythmus”. Abstellen sei unmöglich. “Zu Fuss auf dem Heimweg oder im Nightclub leere ich den Kopf”. Diese Mischung macht seine Mode sexy. Breite Gürtel oder enthüllte Knöchel: “Die Zerbrechlichkeit fehlte in der Männermode. Doch gerade sie zeichnet den Franzosen aus”, meint Ossendrijver bevor er wieder in den Etagen der rue Boissy d’Anglade verschwindet.

Paris, September 2013 – Bild: nach der Lanvin-Show, Lucas Ossendrijver (links) und Alber Elbaz (rechts)