Das Aus für Sonia Rykiel

Ohne die Maschenkönigin läuft ihr Modehaus nicht mehr: Zwei Jahre nach dem Tod der Gründerin wird Frankreichs intellektuellstes Label liquidiert.

Ob sexy oder salopp in schwarzem Plüsch oder Spitzen, bei Rykiel war immer alles total bequem und dennoch hochstilisiert, vom spitzen Stöckelschuh bis zum Haarschmuck. Rykel – das war ein Stil, eine geschmeidige, elegante Silhouette; ein kühner Blick unter der Stirnfranse hervor. Rykiels leuchtende Ringelpullis standen im Kontrast zu ihren Zigaretten rauchenden Frauen, ganz in Schwarz. Die aus dem Bürgertum stammende Sonia Rykiel hat fast so viel wie Yves Saint Laurent oder Coco Chanel zur Emanzipation der Frau beigetragen. Diesen Sommer aber hat das Handelsgericht von Paris nach drei Aufschüben nun doch entschieden, das 51jährige Modehaus zu liquidieren.

Dank der 2018 nach ihr benannten Pariser Allee bleibt zum Glück in ihrem Stammviertel Saint-Germain-des-Prés eine Spur der einflussreichen Modeschöpferin, die die sichtbaren Nähte und abgeschnittenen Säume lanciert hat. Ein Trend, den später die Modedesigner in Japan und Belgien kopierten. Dass nur sie und kein anderer Modeschöpfer in der französischen Hauptstadt eine eigene Strasse besitzt, unterstreicht die Bedeutung dieses Labels, das für Freiheit, Lebensfreude und Erotik steht; „die parisischste Parisienne überhaupt“ laut Bürgermeisterin Anne Hidalgo.

Mit der Liquidierung der Marke stirbt die Intellektuelle ein zweites Mal, die mit ihrem Firmensitz in Saint-Germain-des-Prés das Stadtviertel seit den Seventies geprägt, Mode und Literatur vereint hat. Ihr Modehaus stand und fällt mit der 2016 im Alter von 86 Jahren an Parkinson verstorbenen Modeschöpferin und Schriftstellerin, die immer samt Notizbuch und Filzstiften unterwegs gewesen war. Sie hatte zwar ihr Label bereits vier Jahre vor ihrem Tod an die Hongkonger Holding  First Heritage Brands verkauft, die jetzt mit 30 Millionen Verlust (2018) aufgibt. Denn auch der Umsatz ist um das Dreifache geschmolzen. Den neuen Eigentümern ist es misslungen, Rykiels einstigen Familienbetrieb, der während 40 Jahren florierte, der internationalen Generation Y schmackhaft zu machen. In den letzten Jahren waren die meisten Kundinnen über fünfzig.

Der Grösse einer Rykiel entsprechend, hätte man wohl besser einen Stardesigner eingestellt anstatt die schwierige Neuinterpretierung ihres einzigartigen Stils diskreten Designern anzuvertrauen. Rykels Nachfolger hatten zu viele Ideen in einer Kollektion vereint. Fad wirkte nun plötzlich der Sportswear-Chic, den die Französin überhaupt erfunden hatte. Sogar die zum fünfzigjährigen Bestehen des Labels präsentierte Manifesto-Kollektion wurde zum Flopp. Seit letztem April hat das Handelsgericht von Paris verbissen nach einem neuen, solventen Investor mit einem soliden Projekt gesucht. Umsonst. Das Label wird aufgelöst, und die 133 Personalmitglieder entlassen.

Seine Neulancierung ist auch am verpassten digitalen Einstieg gescheitert. Ausserdem bleibt das Label in Asien so gut wie unbekannt. Denn es handelt sich um eine erzfranzösische Marke, das  rund die Hälfte des Umsatzes schon immer in Frankreich gemacht hat. Sonia Rykiel bot aber in den Seventies als eine der ersten Modeschöpfer überhaupt, Designermode von der Stange an. Als Vizepräsidentin der offiziellen Syndikatskammer war die Frau mit der karottenroten Mähne eine Pionierin ausdrucksstarker, perfekt inszenierter Modeschauen.

Eine Rykiel-Show war immer ein fröhliches Fest. Oft lancierte sie den gleichen Look an allen tanzenden Models, von Kopf bis Fuss, jede in einer anderen Farbe. Dieser optimistische Zeitgeist ist vorbei und ihre ausgelassene Stimmung, ihr Sinn für Sinnlichkeit, wurde nie mehr erreicht. Ihre Aufschriften in Strass symbolisierten die verbale Emanzipation, der Zungenschlag der Frau, die sagt, was sie sagen will. Den langen Maschenkleidern, dem Plüsch und den üppigen Wollfransen neue Botschaften einzuhauchen, schaffte zuerst noch ihre Tochter Nathalie. Seit sich aber auch diese zurückgezogen hat, funktionierte das Kulturgut ihrer Mutter nicht mehr. Denn diese hatte ihr Wesen, den Genuss des Exquisiten, die unabhängige Weiblichkeit, ihren Entwürfen regelrecht einverleibt.

Photo: zvg par Sonia Rykiel

Christian Dior: Masslos und unvergänglich

Die Ausstellung Christian Dior – Couturier du Rêve im Pariser Musée des Arts décoratifs ist ebenso grossartig wie die 70jährige Geschichte des weltberühmten Labels.

Unter zwei Stunden kommt niemand wieder hinaus. Das Ausstellungsangebot ist uferlos, genauso masslos und doch pedantisch wie es der 1905 in der Normandie geborene Christian Dior gewesen sein muss. Müde und leer wirkt allerdings sein Blick auf allen ausgestellten Fotos und Gemälden. Denn der ursprüngliche Student politischer Wissenschaften, Zeitungsillustrator und Galerist musste bereits mit einigen Schicksalsschlägen leben, als er 1946 sein Modehaus an der Pariser Avenue Montaigne eröffnete: Seine Mutter, die ihm mit ihrer grossbürgerlichen Eleganz das Modeflair eingehaucht hatte, war 1931 gestorben; sein Vater, ein Düngerfabrikant, in Konkurs gegangen. Nicht nur Christians späterer Freund, der Surrealist Jean Cocteau hat „Dior“ mit Gott und Gold (Dieu et Or) verglichen. Mit „Diors Dünger ist Gold Wert“ hatte schon Papa Reklame gemacht. Umsonst. Lire la suite

PARIS nach MASS PARIS sur MESURE

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Erleben Sie die Kultur, Geschichte und Trends mit einer deutschsprachigen Insiderin.

Vivez la culture, l’Histoire et les tendances avec une accompagnatrice avertie.

 

Hier finden Sie einige Ideen. Weitere Besichtigungen, Rundgänge oder Shoppingtouren gestalten wir gerne ganz nach Ihren Wünschen.

Voici quelques idées – nous vous organisons également vos visites ou shoppings sur mesure: 

Von Lutetia zum Louvre – mitten durch das Herzen von Paris

De Lutèce au Louvre – Le cœur de Paris

 

Ile de la Cité – römisches Lutetia (Lutèce romaine, Roman Lutetia)  – Montagne Saint Geneviève – Panthéon – Jardin du Luxembourg – Saint-Germain-des-Près – Louvre.

Epochen: Antike, Mittelalter,Bourbonen, Jazz und Gainsbourg, Sartre und de Beauvoir, die Medicis, Décartes

Epoques: Antiquité, moyen âge, les Bourbons, les Médicis, le jazz et Serge Gainsbourg, Sartre et Beauvoir, Décartes

Dauer/Durée: 3 Stunden/3 heures (zu Fuss/à pied)

 

Von Belleville zum Montmartre 

De Belleville à Montmartre

 

Belleville –  über den einstigen Pass der Buttes Chaumont ins ehemalige Dorf La Villette (par l’ancien col des Buttes Chaumont à La Villette – Goutte d’Or – Sacré Cœur

Epochen: Heinrich IV, Ludwig XV, 19. Jahrhundert, Edith Piaf und Napoleon III, die Einwanderung aus Osteuropa, Afrika und China, die Bobos, Romantik und Industrialisierung, Die Urbanisten des 20. Jahrhunderts

Epoques: Henri IV, Louis XV, 19ème siècle, Edith Piaf et Napoléon III, les immigrants de l’Europe de l’Est, d’Afrique et de Chine, romantisme et industrialisation, les urbanistes du 20ème siècle, les bobos.

Dauer/Durée:  4 Stunden/3 heures (zu Fuss und kurze Metrofahrt/à pied avec un bref trajet dans le métro aérien)

Oder/Ou:

« Von Lutetia zum Eiffelturm » mit Mittagspicknick in den Tuilerien

« De Lutèce à la Tour Eiffel » avec Pique-nique aux Tuileries

Dauer/Durée: 1 Tag/1 journée

« Auf den Spuren von Coco Chanel, Christian Dior und Yves Saint Laurent » mitten durch das « goldene Dreieick » von Paris

« Sur les traces de Coco Chanel, Christian Dior et Yves Saint Laurent » au sein du triangle d’Or de Paris

Dauer/Durée: 1 Halbtag/1 demi-journée

Nachtwanderung

ab 20.30 Uhr, ca. 3 Stunden/dès 20H30 environ 3 heures

 

Reservation und Auskunft

Réservation et informations

oder/ou: 0033 (0)6 08 63 27 89

 

Gewusst? Le saviez-vous? … Lire la suite

Bald regiert wieder die Romantik

Kaum hat sich der emanzipierte Unisex-Look etabliert, wird er an den Modeschauen in New York, London, Mailand und Paris schon wieder vom Laufsteg gefegt.

Die Parisienne trägt in diesem Herbst Männerkleider. Nicht nur Fernsehmoderatorinnen, Politikerinnen, sondern auch Schauspielerinnen schwören auf Kompetenz und Komfort in schlichter Eleganz: Schauspielerin Charlotte Gainsbourg besticht bubenhaft im … Lire la suite

Jean Paul Gaultier verabschiedet sich mit Humor

Seinen weltberühmten Matrosenpulli wird es nicht mehr geben. Am letzten Samstag zeigte Jean Paul Gaultier während der Pariser Modewoche seine letzte Prêt-à-Porter-Show.

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Der dichtgedrängte Menschenauflauf versperrt die halbe Strasse der Grand Boulevards. Ein Polizeibeamter muss den Verkehr auf die Gegenspur umleiten. Es wird gehupt und gestossen. Die Gäste schlängeln sich dennoch gut gelaunt durch die Paparazzis und Schaulustigen zu Jean Paul Gaultiers aller letzter Prêt-à-Porter-Show. Die riesigen Leuchtbuchstaben des legendären Pariser Kinos « Le Grand Rex » kündigen keine herkömmliche Modeschau, sondern die Wahl von « Miss Jean Paul Gaultier 2015 aus Frankreich und Uebersee » an. Dass Jean Paul auch an die Kolonien denkt, ist kein Detail. Nie hat Gaultier die Minderheiten und die kulturelle Vielfalt vergessen. Nur er holte runde Models auf seinen Laufsteg oder feierte mit einem schwarzen Mann als Aushängeschild, sexy und muskulös, vor acht Jahren das 30jährige Bestehen seines Labels. Das Aus kommt jetzt wie ein Hammerschlag. Seit 38 Jahren entwirft der in bescheidenen Verhältnissen im Pariser Vorrort Arcueil aufgewachsene Franzose Mode für alle.
Deshalb passt es, dass er sich nicht mit einer stereotypen Modeschau, sondern mit einer durch die Choreographin Blanca Li inszenierten, verrückten Parodie verabschiedet. Denn als sein 1974 gegründetes, zu Beginn floppendes Label in den 1980er Jahren am Modehimmel aufstieg, organisierten Gaultier und die sogenannten « neuen Modedesigner » (Mugler, Montana, Alaïa) keine klassischen Präsentationen für eine auserlesene Kundschaft, sondern riesige, dem breiten Publikum zugängliche Shows. Der Platinblonde hatte sich auch nicht wie seine Vorgänger zuerst durch die Haute Couture hochgearbeitet, sondern stieg direkt in den frisch eingeführten Prêt-à-Porter ein. Diesem sagt der inzwischen 62jährige Couturier jetzt Adieu, weil er sich grundsätzlich verändert habe. « Nur in der Haute Couture kann ich mich heute wirklich ausleben. Die geschäftlichen Zwänge des Prêt-à-Porters und sein unentwegt beschleundigter Rythmus bieten weder die zur Selbstbesinnung und zur Innovation notwendige Freiheit noch die Zeit », begründet der Couturier den Rückritt. Der Avantgardist, der stets der Zeit einen Schritt voraus war, kann und will mit dem heutigen Tempo der Modeindustrie nicht mehr Schritt halten. Er will sich nur noch in der kreativeren Haute Couture verwirklichen. Der breiten Masse bleiben lediglich seine originellen und sehr erfolgreichen Parfums, die 40 Prozent von Gaultiers Umsatz ausmachen.

Rockige Röcke für Männer
Obwohl es seine Muse, die spanische Schauspielerin Rossy de Palma schafft, das seriöse Modepublikum im Grand Rex mit einer witzig gewürzten Vorstellung aufzuheitern, hinterlässt die Show einen bitteren Nachgeschmack. Als Rebell und Star ohne Starallüren wird Jean Paul der Mode fehlen. Der Sohn einer Sekretärin und eines Buchhalters konnte mit Zahlen nie viel anfangen. Mit fünfzehn wusste er jedoch haargenau, dass nur das Modemachen für ihn in Frage kommt. Mit achtzehn stellte ihn Pierre Cardin an. «Er hat der französischen Mode derart viel beigesteuert. Keiner hatte international mehr Einfluss als er », lobt der heute 92jährige Cardin an der Bar im Rex seinen einstigen Lehrling, der sich in den 1980er Jahren am lebhaften Londoner Nachtleben, den Strassenmärkten und in Trendshops inspiriert hat. Den Matrosenpulli hat Gaultier allerdings nicht erfunden. Coco Chanel und Yves Saint Laurent hatten das blau-weiss gestreifte bretonische Matrosenshirt bereits zuvor zur Highfashion gemacht. Seit Gaultiers « Boy Toy »-Kollektion von 1983 war sein Markenzeichen jedoch in einer jeden seiner Kollektionen präsent. Die Ikone der Schwulenszene hat die Strassenmode auf den Catwalk geholt und mit seinem mutigen Unisex einen frenetischen Durchburch ausgelöst : Er steckte die Männer in Röcke und was für Röcke : Schicke Kilts oder schwingende Abgesteppte in goldigem Seidensatin. Das hat ihm niemand vor- oder nachgemacht.

Die Korsette aus Grossmutters Truhe

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Internationale Anerkennung errang Gaultier 1990 als er Madonna in einem konisch spitzbusigen Korsett auf ihre « Blond Ambition Tournee » rund um den Erdball schickte. Auch Mylène Farmer und Kylie Minogue bestellten ihre heissen Bühnenkostüme bei Jean Paul, der schon als Knabe mit Grossmutters Korsetten gespielt hatte. Die Couturière, die den Enkel zum Stoffkauf nach Paris mitnahm, war seine erste Muse. Auch seine Leidenschaft für die Bühne und das Kino spriess bereits bei Oma vor dem Fernseher, wo die Tänzerinnen des Cabarets «Les Follies Bergères » den Dreikäsehoch faszinierten. Wie immer sitzt Catherine Deneuve auch an seiner letzten Show in der ersten Reihe. Auch auf den Laufsteg hat Gaultier regelmässig Leute von der Bühne geholt: 2011 zeigte Mylène Farmer sein aus Federn konfektioniertes, schwarzes ( !) Hochzeitskleid, und Conchita Wurst modelte für ihn kurz nach ihrem Sieg am letztjährigen Eurovision Song Contest.
Gaultiers Teddy-Banane und sein späterer Hahnenkamm haben sich im laufe der Jahrzehnte zum graumelierten Bürstenschnitt verwandelt. « Spass » habe ihm alles gemacht, erklärt der bubenhafte Senior hinter den Kulissen des Grand Rex. Auch wenn er sich zu Beginn dieses Jahrtausends zuviel aufgeladen und die Uebersicht seiner Firma verloren hat. 2004 trat er zusätzlich zu seinen sechs eigenen Kollektionen pro Jahr den Chefdesignerposten im edlen Luxushause Hermès an, das zuerst 35, dann 45 Prozent des Aktienkapitals der Jean Paul Gaultier SA übernahm. Während seiner sechsjährigen Tätigkeit für Hermès fehlte dem Unermüdlichen allerdings die notwendige Puste, um seinem eigenen Label weiterhin rassige Impulse einzuverleiben. Als er 2010 Hermès verliess, kaufte der spanische Luxuskonzern Puig sein Label. Seither leitete der Modeschöpfer zwar selbst als Präsident seine Firma, verzettelte sich jedoch, indem er etwa auch ins Design einstieg. Laut den französischen Medien verringere sich sein Umsatz seither pro Jahr um zehn Millionen Euro und er verliere deren sieben.

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Nur noch dieses eine Mal zeigen Models mit Löwenmähnen raffinierte Smokings, tätovierte Jeans und graziöse Perfectos. Sie imitieren die berühmtesten Moderedaktorinnen oder treten als glamouröse Miss Fussballergattinnen auf. Die Miss Vintage – waschechte Models in hohem Alter – gleiten am Arm eines jungen Burschen über den Laufsteg. Unter einem Goldregen hindurch grüsst Jean Paul Gaultier zum letzten Mal das sprachlose Publikum. Dann fällt der Vorhang schlagartig. « Die Welt hat sich verändert. Ich habe mich verändert. Mein Alter erlaubt es mir nicht mehr, Gaultier zu machen», meint der Modemacher nach der Show, den Champagnerkelch in der Hand. Es gäbe keinen Grund, traurig zu sein. Neue Projekte keimten bereits.

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Jean Paul Gaultier, immer ein Schritt voraus…

Jean Paul Gaultier PorträtCopyright Rainer Torrado

1974 : Sein Look Perfecto/Ballettröckchen/Turnschuhe ist ein Flopp, wird aber in den 1990ern zum Must
1976 : Seine raffinierten Korsette machen aus der Unterwäsche ein Outfit, das sich 1990 allgemein durchsetzt
1983 : Der Matrosenpulli gilt noch heute generell als Symbol für « Made in France »
1984 : Mit seinem Männerrock schreibt Gaultier Modegeschichte
1988 : Gaultier Junior für die Knirpse ist ein trendiges Marksegment, in die Luxusmarken sodann einsteigen
1993 : Sein Parfum « Jean Paul Gaultier » in Büstenform und Korsett macht den Flakon zum sinnlichen Objekt
1997 : Seine aalglatten Kostüme tragen zum Erfolg von Luc Bessons Science-Fiction-Film « Das fünfte Element » bei
2003 : « Tout beau tout propre » ist die erste Schminkpallette für den Mann
2004 : Zwei Männer beenden als Hochzeitspaar seine Show. Im letzten Jahr hat Frankreich die Homoehe offiziell eingeführt

Bilder:Patrice Stable p/o Jean Paul Gaultier (Show), Stanislas Alleaume p/o Jean Paul Gaultier (Backstage), 4.10.2014 

Chanel – Genial und gigantisch

Gabrielle « Coco » Chanel (1883-1971) hatte im Grunde im Waisenhaus nähen gelernt, doch das verschwieg sie ihr Leben lang. Die schwarzen Gewänder und die weissen Krägen der Nonnen haben die Couturiere jedoch während ihres ganzen langen Lebens geprägt: Schwarz-Weiss ist noch heute das Wahrzeichen der Marke. Ein Aristokrat und Offizier, Etienne Balsam, führte die bildhübsche, zwanzigjährige, zur Schneiderin ausgebildete Frau in der Pariser High Society der Belle Epoque ein. Nachdem sie erste Erfolge mit ihren Hüten verzeichnen konnte, half ihr der Engländer Arthur Capel alias « Boy » einen ersten Laden am Boulevard Malesherbes zu eröffnen. Mit ihm fuhr sie auch in die Normandie,  wo sie die Fischer und Matrosen zu kühnen Kreationen inspirierten: Streifen-T-Shirt und Pullis flossen dank Chanel zum ersten Mal in die Damenmode. In Deauville eröffnete sie 1912 auch ihre erste Kleiderboutique. Drei Jahre später folgte Biarritz. Am Grande Plage der Basketstadt spazierte die Feministin im Pyjama, dem Vorläufer des Badeanzuges. Gabriele Chanel war auch eine der ersten Frauen, die kurzes Haar trug. Ebenso brach sie die verkrusteten Regeln der Couture. Mit ihrem « kurzen Schwarzen » erfand sie das erste Abendkleid, das eine Frau alleine anziehen konnte.

Chanel circa 1930, D.R.

Chanel circa 1930, D.R.

1919 installierte sie einen Laden und ihr Atelier an der inzwischen legendären rue Cambon in Paris. Drei Jahre später revolutioniere die ehrgeizige Couturiere mit dem « No 5 » den Parfummarkt, denn bisher waren alle Parfumflakons voller Schnörkel. Sie wollte eine pure Flasche, wie sie damals in den Apotheken standen. Schon 1924 stiegen die Brüder Pierre und Paul Wertheimer in ihr Parfumgeschäft ein. Sie baute an der rue Cambon aus. In der dort heute noch erhaltenen Wohnung überrnachtete die Workingwoman jedoch selten. Ihr wahres Heim sei das Ritz, sagte sie. Noch heute trägt die von ihr bewohnte Suite unter dem Dach des Luxushotels ihren Namen. Dort lebte sie mit dem Deutschen Hans-Günther von Dincklage zu Beginn des zweiten Weltkrieges. Heute werfen ihr deshalb verschiedene Historiker Spionage für das deutsche Reich vor. Chanel hatte sich während des Krieges in die Schweiz zurückgezogen. Als sie nach Paris zurückkam, riskierte sie – wie die meisten Geliebten deutscher Soldaten – , dass ihr das Haar in aller Oeffentlichkeit geschoren wird. Offenbar verhinderte Winston Churchill diese Schmach, weshalb eine andere Version ihrer Rolle während des zweiten Weltkrieges besteht: Sie habe versucht, zwischen Deutschland und Grossbrittanien zu vermitteln. Doch der Einsatz « Chapeau de couture » sei gescheitert.

1936, photo Lipnitzki Viollet

1936, photo Lipnitzki Viollet

Chanels erste Modeschau nach dem zweiten Weltkrieg entpuppte sich als Flopp. Mit dem Tweedtailleur schenkte sie dann aber den Frauen die adäquate Kluft zum Herrenanzug. Dieser endete allerdings immer unter dem Knie, denn vom Mini hielt sie gar nichts. Das Knie sei nichts Schönes, sondern ein Gelenk, meinte die Frau, die anschliessend bis ins Hohe Alter von 88 Jahren täglich arbeitete. Sie hasse die Sonntage, weil man da nicht arbeiten könne. An einem Sonntag starb sie auch.

Tailleur 1954

Tailleur 1954

Die in der Schweiz wohnhafte Familie Wertheimer ist noch heute die Eigentümerin der Firma Chanel, die seit den 1980er Jahren dank Karl Lagerfeld weltweit zu einem der wichtigsten Modeplayer aufgestiegen ist. Der deutsche Starcouturier leitet die Kreation sämtlicher Kollektionen seit 1983. « Die Mode entstammt einer lustigen Idee, die sofort verbrennt. Der Stil bleibt, auch wenn er sich erneuert », sagte einst Mademoiselle. Karl Lagerfeld schafft es brilliant, in Chanels Haut zu schlüpfen und ihren unverkennbaren Stil immer wieder aufs neue dem Zeitgeist anzupassen. Die Ambiente im Modehaus bleibt gepflegt, dynamisch. resolut. Viele Direktionsstellen sind von Frauen besetzt. Letztere machen auch die Mehrheit des Personals aus.

 

 

A l’italienne

Familiale, mais distingués, à la fois charmant et fonctionnel, après 30 ans d’existence, la chaine italienne Starhotels vient de rénover ses hôtels les plus prestigieux. A Paris, Trieste, Venise, Milan ou New York, ils ont tous pignon sur rue.

Starhotels vient d’achever un large programme de rénovation des cinq hôtels figurant dans la marque la plus luxueuse de la chaine italienne, « La Collezione ». Leur prestation correspond aux critères d’un hôtel cinq étoiles, mais les étoiles ne sont volontairement pas mises en avant. « Nous ne voulons pas nous priver d’une clientèle d’affaire qui hésite d’afficher le luxe sur sa note de frais », estime Dorella Lozzarotto, directrice de la vente, du marketing et de la distribution chez Starhotels. En atteignant 46 Millions d’Euros en 2011, ces cinq hôtels apportent à elles seules presque la moitié du chiffre d’affaire du groupe familiale (109 928 Euros hors New York).

Tous les cinq hôtels sont extrêmement bien placés. Elles se situent là, où chacun veut être: à Venise, légèrement en retrait de la tumultueuse Piazza San Marco, ou, en plein Manhattan, à l’angle de la Septième avenue et donc à deux pas de Central Park et Times Square. A Trieste, le Savoia Excelsior Palace se trouve face à la mer. Une brise douce glisse au nez. Si vous aimez Coco Chanel, optez pour l’étroite rue Cambon au cœur de Paris et vous profiteriez de la même vue, de la même ambiance agitée et soignée dont jouissait la célèbre couturière pendant une large partie de sa vie. Elle tenait son atelier juste à côté où se trouve toujours son appartement et la boutique. A Milan, l’hôtel Rosa Grand occupe un bâtiment à quelques pas du Dôme. Enfin, à côté de la Gare milanaise, Elisabetta Fabri vient d’ouvrir son premier établissement « écolo ». Cette mère de famille de deux enfants gère depuis l’an 2000 la société Starhotels, fondée par son père Ferrucio Fabri en 1980 à Florence.

Propriétaire et exploiteur de 22 hôtels, la présidente a fortement investi dans la restauration de sa collection internationale afin de la hisser au rang d’hôtels de luxe contemporains, très adaptés aux besoins des gens d’affaires. Mais ses cosy bijoux attirent également une clientèle touristique, familiale, individuelle ou en lune de miel. Tous expriment la culture et l’hospitalité italienne dans un habit historique, décorée d’un brassage des époques. Très ancré en Italie du Nord, le portefeuille de la société toscane ne comporte que deux établissements à l’étranger: le Castille de Paris dont les travaux de restauration viennent d’être achevés et le Michelangelo, une institution new yorkaise gérée par Elisabetta Fabri avant qu’elle ne prenne la tête de la société à Florence. En collaboration avec l’architecte italien Andrea Auletta, la présidente de Starhotels a su crée des lieux charmants dans lesquelles le client se sens chez soi. A Paris, le lobby du Castille ressemble plus à un salon d’une grande famille bourgeoise qu’à un hall d’hôtel. C’est un Living-room à la grâce florentine. Tout en coins et recoins. Une belle collection de tableau du 19e siècle décore les vieux murs de cette ancienne demeure du Maréchal du Luxembourg et du Comte de Brienne, édifié il y a 300 ans. Les meubles d’époques baignent dans une lumière tamisée. Car les rideaux drapés ne laissent entrer que quelques lueurs de la lumière du jour. L’immeuble avoisine les anciens ateliers et l’appartement de Mademoiselle Chanel dont la prédilection pour le noir-beige-blanc est reprise dans les chambres de l’hôtel et surtout dans les agréables suites duplex que les créateurs de mode louent aujourd’hui comme Showroom pendant la fashionweek. Equipées de deux salles de bain et d’un sofa qui se transforme en véritable lit, on y est également à l’aise en petite famille. Ce décor, contemporain et fonctionnel, entouré d’un cadre typiquement parisien est dominé de la touche italienne : le bois laqué noir luise ou le cuir galbe même les tiroirs. Le restaurant ouvre sur une cour intérieure avec une fontaine romaine. Les deux salons de réunions affichent cependant le raffinement français avec un service irréprochable, mais jamais hautain.

Le Splendid de Venise montre encore mieux ce bien-être italien, luxueux, mais convivial. La mise en scène de cet hôtel dans un bâtiment qui accueille des hôtes depuis le XVIème siècle permet de s’imaginer son propre scénario. On s’y sent Vénitien. C’est sans doute l’adresse la plus romantique de la « Collezione ». Au départ, ce fut une simple auberge entre la Piazza San Marco et le Ponte Rialto. Entièrement restauré, ce havre de paix a rouvert en 2008. Les gondolières passent devant la fenêtre. Les poutres au plafond, les parquets, le velours et la soie créent un cocon confortable entouré des canaux, des ruelles, des ponts. A l’inverse, Le Michelangelo new yorkais est une institution Art Déco, datant du Golden Age de la métropole. Le choix des tissus et les couleurs chaleureuses sonnent comme une note d’un chant des Italiens immigrés. Cet hôtel fut la première acquisition de la chaine à l’étranger. Dans le hall, l’assemblage de marbre, de palmiers et de bouquets de fleurs géants, de velours scintillant, frôle le kitsch. Meublées en bois massif de merisier et de chêne, les chambres et les suites cossues dessinent un look trop intemporel en velours, damas et cuir rouge coquelicot. Mais leurs confort est à la hauteur de la dimension américaine.

Le bijou de la famille se situe directement à la Riva del Mandracchio de Trieste. Lorsque le Savoia Excelsior ouvrit, il y a un siècle, ce palais de la Belle Epoque fut un des hôtels le plus luxueux d’Autriche-Hongrie et Trieste le port le plus importante de l’ancien Empire. La cité cosmopolite devient italienne à la fin de la première guerre mondiale. L’hôtel a bénéficié d’une importante rénovation pendant deux ans. La « Grande Dame » en blanc, achevée en 2009, vêtue d’une façade néoclassique avec fresques, propose maintenant un intérieur ultra contemporain sans aucun chichi. A partir de 130 Euros la nuit, sa vie de palace devient accessible. On ne se lasse pas du petit déjeuner sur le balcon face à la mer. Cet hôtel est également un secret d’initiés pour l’organisation d’un séminaire dépaysant: 9 salles de réunions permettent accueillir jusqu’à 650 personnes. Les lustres illuminent les fresques des belles salles au rez-de-chaussée, dont la plus grande baigne dans la lumière du jour grâce aux baies-vitrées. On s’assoit sur des chaises beiges contemporain sous les moulures du plafond. Au premier étage, les salles donnent sur le jardin d’hiver. La gastronomie de l’Europe Centrale du restaurant de l’hôtel est prisée par les Triestins.

L’hôtel Rosa Grand est également un des hôtels de conférence le plus important du centre de Milan. La salle Fortana qui compte 8 portes-fenêtres, surplombe la Piazza Fontana et la Via Pattari. Construit autour d’une cour intérieure, c’est l’hôtel le plus contemporain de la « Collezione » avec de beaux bureaux modernes dans les 340 chambres, rénovées en 2009.

Mais Elisabetta Fabri dévoile sa véritable ambition avec l’ouverture, en 2011, de l’E.C.HO à Milan. « Même dans l’industrie hôtelière, il est possible d’utiliser des technologies qui respectent notre écosystème et qui participent à la maîtrise des changements climatique », dit-elle. Son premier hôtel écologique-chic fait la part belle aux matériaux écologiques et recyclés. Les tables basses du lobby sont taillées en cèdre parfumé de forêts durables. Le grès imite le marbre des murs et le parquet des sols. L’immeuble qui dispose au jardin d’une chapelle Renaissance fut éventré et mis à l’heure écologique. Les panneaux solaires du toit fournissent de l’énergie servant à l’éclairage des couloirs et des parties communes. Les systèmes de récupération des eaux permettent de réduire la consommation d’eau de 20 %. Dans les chambres, la mémorisation de la température choisie par le client est stabilisée et remise lors d’un futur séjour. Enfin, la cuisine du restaurant Orto plébiscite les ingrédients biologiques de saison. Starhotels s’attaque actuellement à un même projet à Rome, face au Vatican. Avec sa vue sur la coupole de Michelangelo, l’hôtel éponyme a souvent servi comme quartier général aux télévisions internationales. Un investissement de 10 Millions d’Euros de travaux de démolition et de reconstruction est prévu afin de réaliser les mêmes critères écologiques que l’E.C.HO de Milan. Le Michelangelo écolo ouvrira en 2013 dans un design plus classique que contemporain. L’emplacement oblige.

Publié dans COMMERCE INTERNATIONAL, Edition Juin 2012

Contact :

Savoia Excelsior Palace
Riva del Mandracchio, 4
34124 Trieste
Italie
0039.040.77941
http://www.starhotels.com
106 chambres et 36 suites à partir de 130 Euros
9 salles de réunions

Rosa Grand
Piazza Fontana, 3
20122 Milan
Italie
0039 02 88311
http://www.starhotels.com
327 chambres et suites à partir de 180 Euros
8 salles de réunions

Castille Paris
33-37, rue Cambon
75001 Paris
0033.(0)1.44.58.44.58
http://www.castille.com
108 chambres et suites à partir de 200 Euros
2 salles de réunions

The Michelangelo
152, West 51st Street
New York, NY 10019 USA
001 212 7651 1900
http://www.michelangelohotel.com
179 chambres et 28 résidences à partir de 285 Euros
4 salles de réunions

Splendid Venice
S. Marco Mercerie, 760
30124 Venise
Italie
0039 041 5200755
http://www.starhotels.com
143 chambres et 16 suites à partir de 180 Euros

E.c.ho Milan
Viale Andrea Doria, 4
20124 Milan
0039 02 07 891
http://www.starhotels.com
143 chambres et suites à partir de 190 Euros
5 salles de réunions