Die Fashion stellt auf grün um

Mit dem Fashionpakt und dem Programm LIFE stellen die grossen Modeplayer die Weichen für umweltbewusste Kleider.

Klar wird es noch ein paar Jahrzehnte dauern, bis wir völlig entspannt Hoodies, Anzüge oder Abendkleider tragen, die weder der Umwelt, der Artenvielfalt, dem Tier noch den Beschäftigten in der Textilindustrie schaden. Vom Rohstoff über die Produktionsketten und die Transportwege bis zur Ausstattung der Läden, alles soll nun bald aber tiergerecht und nachhaltig werden. Die Modegiganten, die wie Chanel, Hermès, Gucci oder Saint Laurent,  aber auch H&M, Gap oder Carrefour, den Fashionpact unterschrieben haben, engagieren sich, die CO2-Neutralität erst 2050 zu erreichen. Bis 2030 aber wollen sie auf 100 % erneuerbare Energien umstellen, was imponiert, für die Modehersteller jedoch nicht verbindlich ist. Sie müssen dennoch jährlich ihre eingeführten Massnahmen an einer Versammlung bezeugen. Emmanuel Macron persönlich erwartet Resultate, insbesondere was den Respekt der Artenvielfalt, den Schutz der Ozeane und die Begrenzung des Klimaeinflusses betrifft. „Der Textilsektor ist für einen Drittel der Verschmutzung der Ozeane verantwortlich“, donnerte der elegante französische Staatschef ungewohnt heftig Ende August am G7 Gipfel in Biarritz, wo er den Fashionpact enthüllte. 30 internationale Modeakteure und rund 150 Labels haben unterschrieben, dem verschwenderischen Kleiderkonsum und dessen extrem umweltbelastenden Herstellung den Riegel schieben.

Denn die Fastfashion hat die Textilproduktion in den letzten 15 Jahren verdoppelt und zur zweitgrössten Umweltverschmutzerin gemacht. Unsere Bettwäsche und unser Kleiderschrank produzieren weltweit  jährlich 1,2 Millionen Tonnen Treibhausgas. Ganz zu schweigen von der Gewässerverschmutzung durch Färben und Waschen, dem extrem hohen Einsatz von Pestiziden in den Baumwollkulturen oder alle chemischen Fasern, die einen Drittel aller Mikroplastikpartikeln den Meeren beisteuern.

Entsprechend grüne Initiativen finden aber seit einem Monat an den Fashionweeks von New York, Mailand, London und Paris nicht auf dem Laufsteg, sondern am Verhandlungstisch statt. Paris brodelt mit Roundtables, Showrooms und Modemessen, um den Umweltschutz in allen Facetten einzuleiten.  London lancierte sein noch vages Positive-Fashion-Weissbuch, das sich bis in die Schulprogramme auswirken soll.  Mailand hat mit dem Green-Carpet-Fashion-Award nicht nur die umweltbewusstesten Modedesigner ausgezeichnet;  Gucci gab auch bekannt,  die Klimaneutralität bereits erreicht zu haben.  Das erfolgreiche Label kompensiert seine CO2-Emmissionen dank Projekten zum weltweiten Schutz der Wälder. Das florentinische Modehaus gab ebenfalls an, die ganze Beschaffungs- und Produktionskette nachhaltig zu gestalten und will auf organische Fasern oder nachhaltige Materialien fokussieren.

Die Greta Thunberg der Mode

Noch sind aber die reinen Oeko-Labels eine Nische, die es im Internet oder an Messen aufzuspüren gilt. Veja und Jerome Dreyfuss sind die Pioniere für Bio-Leder. Misericordia bezahlt  seit je her faire Löhne. Auf dem Laufsteg gibt es aber nur eine, die durch und durch grün ist und wie eine Greta Thunberg der Mode den Weg weist: Stella McCartney. Die Tochter von Ex-Beatle Paul besitzt die Prominenz, um von anderen Promis angehört zu werden.  „Ich werde weder Leder, noch Pelz, noch Federn einsetzen“, hat die heute 48jährige  schon vor zwanzig Jahren in der Chefetage des Luxuskonzerns Kering – damals noch PPR – während ihres Vertragsabschluss festgehalten. Als Vegetarierin, die auf einer Farm aufgewachsen ist, dominiert bei ihr der Tierschutz. Die Stardesignerin  tüftelt aber auch mit Stoffabfällen und pflanzlichen Ölen, um geschmeidiges  Vegan-Leder zu gewinnen wie man es von ihren Falabellabags kennt. Sie macht aus Stoffresten und den aus den Meeren gefischten Plastikflaschen eine neue Faser, die auch beim Stan Smith Vegan zum Ausdruck kommt. Leimfreie Sneakers sind ihr nächstes Ziel. Mit Adidas entwickelt die Topdesignerin ganze Linien nachhaltigen Sportswears.

Die populäre Modeikone hat zudem einen guten Draht zu Luxuskonzernleitern wie François-Henri Pinault (Kering) oder Bernard Arnault (LVMH). Sie war es, die Pinault vor zwei Jahrzehnten von der Umstellung auf ein nachhaltiges Modell, – wie ihr Label es lebt – überzeugte.  Inzwischen hat Kering in 7 Ländern auf 100% erneuerbare Energien umgestellt; in Europa auf 77 Prozent. Macron hatte den Keringchef bereits im Mai mit der Ausarbeitung des Fashionpakts beauftragt, den alle Labels der Keringgruppe (Balenciaga, Saint Laurent, Bottega Veneta, etc.), nicht aber Bernard Arnaults LVMH- Luxusmarken (etwa Louis Vuitton, Dior, Celine) unterschrieben haben. Der zweitreichste Mann der Welt hinkt ein bisschen nach, fängt sich aber auf, indem er 5 Millionen zur Bekämpfung der Waldbrände im Amazonas spendet, und nun Stella McCartney als seine Sonderberaterin einstellt:

LVMH lanciert eigenes Umweltschutzprogramm

„Ich habe den Fashionpakt nicht unterschrieben, weil LVMH keine Fashiongruppe ist. Diese stellt nur einen kleinen Anteil unserer Tätigkeit dar. Ausserdem machen viele dieser Unternehmen Fastfashion. Damit haben wir nichts zu tun“, erklärte Bernard Arnault am letzten Mittwoch, als der LVMH Chairman und CEO überraschend sein Umweltschutzprogramm LIFE veröffentlichte.  Es will insbesondere  Alternativen zum Warentransport per Luftverkehr suchen. Mit einer Charta will der Luxuslederwarenkonzern auch die Rohstoffe tierischer Herkunft klar definieren.

Was auf dem Papier steht, geht allerdings noch nicht konkret über den Laufsteg. In London sind Vin + Omi mit ihren Mänteln aus Brennnesseln aufgefallen, die aus Prinz Charles‘ Garten stammen. Vegane Wanderschuhe, Bio-Polos und Jacken aus recycelten Bettfedern zeigte in Mailand auch Tommy Hilfiger. Stella McCartney’s Show mit der Frühjahrskollektion läuft am nächsten Montag.

Vor zwei Jahren hat sie sich von Pinault getrennt. Dank ihrer kürzlichen Ernennung zur Umweltschutzberaterin des weltweit grössten Luxuskonzerns LVMH ist die Beatletochter nun einmal mehr am richtigen Platz: Ihm wird vorgeworfen, jüngst unverkaufte Handtaschen verbrannt zu haben, sie aber erhielt den Green Carpet Fashionpreis  Grownbreaker und wird deshalb auch hier auf grün umschalten.

Bilder: Unterschrieben haben den Fashionpact auch Saint Laurent und Hermès. Der Luxuslederhersteller hat die Szenograhie seiner Runway-Show rezykliert und einer Künstlervereinigung gespendet copyright Jean-François José

Modegierige Männer

Nur zu. Formelles mischt sich heute problemlos mit Street- oder Workingwear. Die Freiheit ist da. Und der Mann besitzt endlich auch den notwendigen Mut.

Julien David copyright Raphael Lugassy

Für die Millionen, wenn nicht Milliarden junger Männer, die in den Agglomerationen der Grossstädte wie London, Madrid, Zürich oder Peking, Los Angeles oder Tokio leben, stellt sich die Frage gar nicht. Für sie ist ein gestylter Look völlig normal. Sie haben den Modemut im Blut. Deshalb wurde die Pariser Men-Fashionweek am letzten Wochenende zum wahrhaftigen Happening. Alle Stühle entlang der Laufstege  waren bis auf den letzten Platz besetzt. Bei bester Stimmung haben sich die Männer aus aller Welt an kreativ hochstehenden Schauen für die Mode des Winters 2018/19 inspiriert. Man traf sich beim Edellabel Hermès‘ rund um lauschige Lagerfeuer inmitten eines renovationsbedürftigen Kreuzganges, wo bunte Berglandschaften Pullis und Reisetaschen zierten. In der cleanen Garage des Jungdesigners Julien David hingegen haben die Models ganz witzig in maskierten Hundemasken den trendigen Oversize, Coolness und durchsichtige Regenschütze aus Silikon präsentiert. Sogar bei der Entertainerin Agnes b. war der Andrang so gross, dass sie drei Schauen veranstalten musste. Lanvin erntete tosenden Applaus. Kurz: Die Männer sind begeistert und suchen so mutig wie fast noch nie ihren ganz persönlichen Stil.

„Es findet eine Explosion statt, die eines Tages die Damenmode überrunden wird“, ereifert sich sogar Riad in einer Pariser Tiefgarage an der edlen rue de la Paix, wo sich der Showroom von Nïuku befindet. Der 40jährige Modedesigner gehört zum Dreierteam dieses Junglabels, das wie acht andere Newcomer zum ersten Mal offiziell lief, sozusagen aus dem Underground ins Rampenlicht. Während andere Junglabels absichtlich in den Männermodemarkt einsteigen, weil er weit weniger von den grossen Modegiganten beherrscht wird als bei den Damen, bezeichnet der zweite im Bund, Lenny, die Nïuku-Klamotten als genderless (geschlechtslos). „Viele Frauen kaufen heute Männerkleider“, schmunzelt der Franzose, an dessen Show sich hochkarätige Moderedaktoren, eine äusserst schicke Stadtjugend und stilvoll gekleidete Blacks die Sitz- und Stehplätze streitig gemacht haben, um einen Blick Mode zu erhaschen, die nie langweilt. Man meint, man sehe Vintage und dennoch ist alles neu.

Lenny Guerrier und sein Partner Riad im Showroom ihres Labels Nïuku copyright esther haldimann

Lenny und Riad stammen ursprünglich aus den Banlieues. Seit dem „R“ von Raf Simons auf den Adidas-Turnschuhen interessiere sich auch die urbane Vorstadtjugend für die Highfashion, erklären sie. Ihr Kult für Hoodies, Bombers und Markensneakers, Street- und Workingwear oder eigens auf dem Flohmarkt zusammengestellte Looks hat inzwischen die Laufstege und den Durchschnittsmann erreicht, um alles zu Formelle zu ergänzen.

Sir Paul Smith

Denn der Mann ist heute modemutig, weil sein Ego seit einem Jahrhundert leidet. Einst eine Modeikone mit rauschenden Krägen (Renaissance), hohen Absätzen, die auch bei den Eidgenossen im 16. Jahrhundert Gang und Gäbe waren, oder Mozartzöpfen (Aufklärung), haben die Kriege den Mann zur Uniform verknurrt. Deshalb mauserte sich der Anzug mit Krawatte nach dem zweiten Weltkrieg nahtlos zur Berufsuniform. Ein Zwang aus dem sich das männliche Geschlecht endlich befreit, um sein wahres „ich“ zu kleiden. „Sein Mut reift seit zwanzig Jahren“, beobachtet der britische Modedesigner Sir Paul Smith. Es ist sein Landsmann David Beckham gewesen, der auf dem Fussballplatz plötzlich einen neuen Look mit Tattoos, Schmuck und gestylter Frisur inszeniert hat. Man nannte diese neuen Männer die Metrosexuellen, die sich mit Masken und Cremen die Haut pflegten. Dann haben die Hipster und Lambersexuellen mit Extravaganz und Coolness den Männern Mut zur lockeren Interpretation ihrer selbst gemacht.

„Sie sind heute mutiger, weil sich die Welt verändert hat, weil sie freier sind.  Lockere Dresscodes werden jetzt in

Carol Lim (Kenzo) copyright esther haldimann

vielen Betrieben akzeptiert. Mit T-Shirts, Jeans, Sneakers oder Formellem kleiden sich die neuen Männer heute aus Freude, nicht mehr aus Zwang“, meint Carol Lim, die als Chefdesignerin zusammen mit Humberto Leon Kenzos alten Stil mit Street- und Workingwear erfolgreich aufpeppt. Beide pendeln zwischen Paris und New York, stammen aber aus Los Angeles, deren Underground seit Jahren in der Mode den Ton angibt und wo auch Stardesigner Hedi Slimane lebt, der diese Revolution zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit seinen rockigen Anzügen bei Dior eingeleitet hat.

Sneakers zum Anzug sind seither ein Must und kein Fehltritt. Überhaupt dominiert die Schale nur noch unter den Spitzenpatrons am Davoser Weltwirtschaftsforum oder in der Politik, wo jedoch in Frankreich die „Insoumises“ (Widerspenstigen) rund um den saloppen Jean-Luc Mélanchon bei ihrem Einzug in die Nationalversammlung auch deren bisherigen Dresscode abgeschafft haben.

Rosen für ihn

Berauschend und betörend darf der Mann wie ein Blumenstrauss riechen. Die Trendparfums der Männer dieses Sommers stehen für Sensibilität und Einfühlungsvermögen. Neu ist die Idee allerdings nicht.

Kurz nach dem Druck auf den Zerstäuber breitet sich nur eine würzige, typisch männliche Frische aus. Doch dann entfaltet Man Rose plötzlich einen derart starken Blütenduft, als steckte man seine Nase in einen Blumenstrauss. Schwere Rosendüfte sind der grosse Männerschrei, berauschend, betörend. „Unglaublich“, meint die französische Parfumhistorikerin, Philosophin und Anthropologin Annick Le Guerrer. Als weibliches Symbol der keuschen Jungfrau wiederspiegle die Rose im Männerduft neue Gesellschaftswerte. „Die 30jährigen Männer stehen heute zu ihrer Sensibilität und ihren weiblichen Zügen weit entfernt des alten Images der Machos in Kriegsstiefeln“. Frankreichs frischgewählter Präsident Emmanuel Macron ist ein prächtiges Exempel eines solch … Lire la suite

Ein Kinderspiel

Weit weg von allem Formellen macht die Highfashion der Männer die Mode zum Spiel mit Slogans, Sport und Teddybären.

Street-, Sport-, Skate- und Workwear werden nicht mehr nur privat oder auf der Baustelle getragen. Die Männermodeshows von London, Mailand, Paris und jetzt in New York geben einen köstlichen Vorgeschmack der nächsten Herbst- und Wintermode. Der Mann wird auch im Büro, der Chefetage, an Vernissagen und Versammlungen auf Komfort mit Pfiff zählen können. Drei Trends machen es möglich: Athleisure  als Luxus-Sportwear der Highfashion und Activewear aus technischen Materialien top modisch aufgemotzt. Gemeinsam dienen sie dem dritten Trend, der Verherrlichung der Millenials-Generation, die surft, spielt, trekkt und tanzt. Klar sind die unter Zwanzigjährigen ein Zielpublikum der grossen Modemarken, doch der … Lire la suite

Frisches Blut in alten Modehäusern

Fashionweek Frühling/Sommer 2017: Paris hielt letzte Woche den Atem an, denn Saint Laurent, Lanvin und Dior gehören zum französischen Kulturgut. Am Dienstag hat Saint Laurents neuer Designer Anthony Vaccarello (34) die Kürze der Superminis seines genialen, rockigen Vorgängers Hedi Slimane übernommen ohne das nie vulgäre Sexappeal des Firmengründers Yves zu erreichen, trotz Leder, Vinyl, durchsichtiger Seide und enorm tiefen Dekoltees. Bescheiden bezeichnete auch Bouchra Jarrar (45) ihre erste Lanvinshow am Mittwoch als reine Ouverture. Die Französin hat sich dazu nicht am unverkennbaren Stil ihres Vorgängers Alber Elbaz inspiriert, sondern liess die edel geklärte Eleganz der Firmengründerin Jeanne in Satin aufleben mit schwarz-weissen Streifen an männlich geschnittenen Blusen, Hosen und Kimonomänteln. Bei Dior komponiert jetzt mit Maria Grazia Chiuri (52) erstmals eine Frau. Die Römerin hat am Freitag am meisten überrascht: Ganz in Schneeweiss, etwas Schwarz und Rot hat die Virtuose die Einflüsse aus dem Fecht- und Motorradsport mit Korsett-Tops aus Monsieur Diors Fifties romantisch vereint.

Drei Trends des nächsten Sommers

DESTRUKTURIERT                   TRANSPARENT               SCHULTERFREI

 

Kleider als Gemälde

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Ungaro

 

Symbolismus, Expressionismus, Renaissance, Pop- oder Street-Art – die Kleider der Männer des nächsten Sommers werden zur Leinwand: In Striemen und Klecksen marmorieren bei Issey Myake die Ölfarben. Nachtblumen schimmern auf Phillip Lims Hemden. Lanvins Blousons werden zu Comicheften mit Pin-Ups in der Grossstadt. Wie aus der Dose aufgesprayt erhält Diors Anzug weisse Balken. Auf Hosen und Shirts quellt Stracciatella-Eiscreme beim Schweizer Julian Zigerli. Angst und Bange flössen die Schattenspiele seiner Hemden aus. Wie ein Pinselstrich ziert Ungaro diese im Zickzack. Doch der grosse Trend besteht aus optischen Täuschungen: Dries van Notens getarnte Militärmäntel entpuppen sich näher betrachtet als verblichene Gobelins aus der Renaissance.

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Kreativdirektor – ein Genie des vernetzten Denkens

In zähen Verhandlungen buhlen die französischen Modehäuser um die weltbesten Chefdesigner. Saint Laurent hat blitzschnell Hedi Slimane ersetzt. Diors Damenabteilung hingegen bleibt weiterhin verwaist.

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Früher entwarf ein Yves Saint Laurent eigenhändig seine Kollektionen allein vor dem weissen Blatt – heute ist der Kreativdirektor längst kein Solist mehr, sondern ein Dirigent, der seinem Team angibt, was es zu zeichnen hat. Er schleift überhaupt am ganzen Image einer Marke. Er muss eine starke Vision besitzen und sich dennoch in die manchmal fast hundertjährige Geschichte eines weltberühmten Traditionshauses einbetten. Diese Auffrischung des globalen Eindruckes ist Hedi Slimane (47) bei Yves Saint Laurent binnen vierer Jahre gelungen. Sogar weit weg vom Pariser Firmensitz, in Los Angeles, hielt das sensible Wunderkind der Modeszene … Lire la suite

Die Highfashion gerät aus den Fugen

Macht es noch Sinn, Winterkleider im Frühling zu zeigen? Die Modedesigner aus den USA überrumpeln die Europäer mit ihrem „ready-to-buy“.

Heute wollen die Fashionvictims sofort kaufen, was sie sehen. Das meint zumindest New York, wo der Modemarathon mit der kommenden Herbst- und Wintermode vor drei Wochen begonnen hat. Mailand und London folgten. Bis gestern sind in Paris 92 Modeschauen gelaufen, wo der amerikanische Vorstoss einem Erdbeben gleichkommt. Schliesslich war bisher alles bestens eingespielt. Die Damenmode wird jeweils im März und Oktober, fünf Monate vor Saisonbeginn präsentiert. „Die junge Kundschaft will nicht mehr warten. Sie wollen noch am gleichen Tag oder tags darauf tragen, was sie sehen“, übertrieb Tommy Hilfiger an der New Yorker Fashionweek. Er gab aber an, nächstes Jahr seinen Betriebsfahrplan entsprechend umzustellen. Wie genau, weiss noch niemand. Nur eines ist sicher: Die schon immer kommerzieller waltenden amerikanischen Labels wollen keine grossen Shows mehr inszenieren, die keinen unverzüglichen Gewinn abwerfen. Der Texaner Tom Ford hat diesmal sogar gepasst und will … Lire la suite

Bereit fürs weite Hosenbein?

Man geht nicht mehr, man gleitet. Sinnlich und raffiniert kommt die neue, flatternde Hose dem Mann gelegen: Auffallen will er, um nicht in der breiten Masse unterzugehen.

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In den 1970er Jahren haben alle weite Hosen getragen: Joe Dassin ganz in weiss, Michel Sardou hochtailliert, Mike Brant zum Seidenhemd mit Fledermausärmeln. Ausgelöst durch die Befreiung aus den gesellschaftlichen Zwängen von Mai 68 und der Hippiebewegung waren die Seventies eine nie mehr egalisierte Modezeit. Ihre fazettenreiche Fülle wird seit mehreren Jahreszeiten auf den Laufstegen ausgelotet. Die Trompetenhosen des Hippie-Chics haben aber kaum Fuss gefasst. Dafür setzen sich seit Jahren die ursprünglich von Hedi Slimane bei Dior anfangs des dritten Jahrtausends zu neuem Leben erweckten Röhrlihosen fest. Der Retro-Rocker muss sich jetzt aber auf einen weit breiteren Hosenschlag einstellen. Zumindest hat die Pariser Männerfashionweek Ende Januar dieses neue Gehgefühl prächtig inszeniert: Nur rund zehn Zentimeter unter der Brust verschlossen, betont die neue Männerhose nicht etwa wie in den 7oern den Männerstolz unter der Gürtellinie. Nein, sie pludert … Lire la suite

Mit starken Düften die Persönlichkeit ausdrücken

Über zweihundert neue Parfums kommen in diesem Herbst auf den Markt: Betörend schwere Düfte für den Mann, zuckersüsse Symphonien voller Blumen und Früchten für die Frau. Dahinter stecken Marktanalysen und ganze Konzepte, um dem Ego der Generation Y zu schmeicheln.
Parfumtrend copyright esther haldimann
Schwere Wolken von Pfeffer und warmen Gewürzen, orientalischen Hölzern und spritzigen Zitrusfrüchten hängen in Gängen und Aufzügen, so stark und intensiv, dass sie sogar durch Türen dringen. Ein Nachbar mag Diors neues Sauvage, dessen Duft nach Roten Beeren, Geranium, Lavendel und Patschuli über den Balkon herüber schwebt. Noch intensiver, noch tiefer, noch sinnlicher zieht ein Mann, der aus einem Bus steigt, die Umgebung in seinen Bann dank Yves Saint Laurents La Nuit de l’homme L’Intense. Weit süssere Blütendüfte versprühen die Frauen, pudrig unterlegtes Neroliöl aus bitteren Orangen (Elie Saab) oder ganze Symphonien aus Narzissen, Strohblumen, zarten Lindenblüten, süssem Flieder, feinen Akazien und aufdringlichen Mimosen. Auch um Schlemmernoten wie Vanille, Honig, Safran, Milchkaffee, Zimt oder Ahornsirup kommt in diesem Winter niemand herum.

Rosen aus Bulgarien, italienische Pflaumen…

Rechnet man alle von einem bereits bestehenden Parfum abgeleiteten Flanker und limitierten Sonderauflagen ein, kommen im Frühling und Herbst jeweils über zweihundert neue Parfums auf den Markt. Viele Parfümeure setzen den Damen in diesem Herbst allzu typisch feminine, süss-fruchtige Blumendüfte und den Männern einen betörenden Cocktail vor. Doch wer setzt diese Trends überhaupt fest? „Es hat sie schon immer … Lire la suite