Paris kämpft gegen das Bienensterben

Mit einem ganzen Heer an Bienenbotschaftern will Frankreich das Bienensterben aus der Welt schaffen. Und Paris besitzt seinen eigenen Honig „Miel Béton“ oder „Miel de Paris“.

copyright: M’O3 Le MIel de Paris.

 

Seit 1995 hat sich die französische Honigproduktion um rund die Hälfte vermindert. Der letzte Winter war besonders hart: 8 von 10 Bienenstöcken haben in gewissen Regionen nicht überlebt, was zu dramatischen Demonstrationen geführt hat, etwa der „Trauerzug“ der Bretonen im Juni:  Bei einigen Imkern dieser Regeion haben nur zwanzig Prozent der Bienen überlebt. Ihre Honigernte war gleich Null.

Die Ursachen sind bekannt, aber komplex und variieren je nach Standort: Parasiten, vor allem die Varroamilbe, Luftverschmutzung, Reduktion der angepflanzten Flächen, Klimaveränderung oder elektromagnetische Strahlen werden in Studien genannt, die auch mehr Professionalismus und Ausbildung der Hobby-Bienenzüchter empfehlen. Denn Bienenstöcke, die auch im Winter gehegt und vorübergehend in andere Gebiete versetzt werden, überleben besser. Jüngst hat eine im Rheintal durchgeführte Studie das Sterberisiko durch Pestizide untermauert. Genau diese stehen für Frankreich im Vordergrund, weshalb dieses Land den giftigen Cocktail dreier Neonicotinoide (Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin), der als Saatgut-Beizmittel eingesetzt wird, ab September verbietet. Diese Substanzen greifen das Nervensystem an. Verwirrt finden die herumsummenden Bienen den Rückweg zum Bienenstock nicht mehr und verenden.

Glücklich in Paris

Solche Probleme haben die in Paris angesiedelten Apis Mellifera nicht. Auf den Dächern der Seinestadt gedeiht die westliche Honigbiene je länger desto besser, wahrscheinlich weil der Einsatz von Pestiziden in der Stadt seit mehreren Jahren verboten ist. „Miel béton“ oder „Miel de Paris“ heissen die goldgelben Töpfe, die in der ganzen Stadt verteilt zum Verkauf angeboten und dank rund 900 Bienenstöcken gewonnen werden. Sie stehen auf den Dächern der Opera Garnier, des Musée d’Orsay, des Grand Palais oder des Luxusrestaurants La Tour d’Argent. Dort fliesst der Pariser Blütenhonig auch in das Gebäck des Küchenchefs. Tausend feine Nuancen besitzt dieser Stadtsaft. Der Geschmack der Auspuffrohre bleibe ihm jedoch fern, meint einer dieser Pariser Dach-Bienenzüchter, Audric de Campeau. „Da die Bienen den reinen Nektar sofort sammeln, kann sich die Luftverschmutzung nicht festsetzen“. Dass er im letzten Winter keine toten Bienen zu beklagen hatte, weist er auf die Absenz der Pestizide zurück und weil er sich rund um die Uhr um die Bienen kümmere.

Der Pariser Imker Audric de Campeau auf einem Dach beim Place de la Concorde copyright: Sebastien Béhotte

zvg Guerlain

Heute übersteigt der Honigkonsum der Franzosen von 40 000 Tonnen pro Jahr bei weitem die einheimische Produktion (15 000 Tonnen). Aber es geht nicht nur um den Honig. Die Luxusparfumindustrie bangt um ihre kostbaren Rohstoffe. Denn wenn die Bienen eines Tages zur Bestäubung von Jasmin-, Rosen- oder Orangenblüten ausbleiben, könnten die für gute Parfums notwendigen natürlichen ätherischen Öle nicht mehr gewonnen werden. „Die Wahrung der Biodiversität ist für uns von höchster Wichtigkeit und der Schutz der Biene die Priorität des Jahres“, betont Sandrine Sommer. Sie ist bei Guerlain für die nachhaltige Entwicklung verantwortlich. Mit dem Projekt „Bee School“ bildet der berühmte Kosmetikkonzern bis 2020 weltweit sein Personal zu „Botschaftern der Biene und der Pflanzenvielfalt“ aus, die anschliessend in den Schulen unterrichten.

Biene als Wahrzeichen

Dem Hause geht es jedoch nicht nur um die unentbehrlichen Rohstoffe, die weltweit eingesammelt werden: Die Biene ist seit 1853 sein Wahrzeichen, als Kaiserin Eugénie im Geschäft an den Champs-Elysees ein neues Eau de Cologne bestellt hatte. Der Flakon dieses vom Firmengründer Pierre-François-Pascal Guerlain entworfenen „Eau de Cologne Impériale“ wurde mit 69 goldenen Bienen geziert – dem Emblem des Kaiserreichs. Auch Guerlains Pflegelinie Abeille royale machte ohne Bienen keinen Sinn mehr. Deshalb kämpft der Parfümeur an der Seite des Observatoire Français d’Apidologie OFA, das 30 000 neue Bienenzüchter ausbilden und 10 Millionen neue Bienenstöcke bis 2025 schaffen will.

Weitere Infos zum Pariser Honig

Audric de Campeaus vernetzten Bienenstöcke in der Schweiz

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