Die Fashion stellt auf grün um

Mit dem Fashionpakt und dem Programm LIFE stellen die grossen Modeplayer die Weichen für umweltbewusste Kleider.

Klar wird es noch ein paar Jahrzehnte dauern, bis wir völlig entspannt Hoodies, Anzüge oder Abendkleider tragen, die weder der Umwelt, der Artenvielfalt, dem Tier noch den Beschäftigten in der Textilindustrie schaden. Vom Rohstoff über die Produktionsketten und die Transportwege bis zur Ausstattung der Läden, alles soll nun bald aber tiergerecht und nachhaltig werden. Die Modegiganten, die wie Chanel, Hermès, Gucci oder Saint Laurent,  aber auch H&M, Gap oder Carrefour, den Fashionpact unterschrieben haben, engagieren sich, die CO2-Neutralität erst 2050 zu erreichen. Bis 2030 aber wollen sie auf 100 % erneuerbare Energien umstellen, was imponiert, für die Modehersteller jedoch nicht verbindlich ist. Sie müssen dennoch jährlich ihre eingeführten Massnahmen an einer Versammlung bezeugen. Emmanuel Macron persönlich erwartet Resultate, insbesondere was den Respekt der Artenvielfalt, den Schutz der Ozeane und die Begrenzung des Klimaeinflusses betrifft. „Der Textilsektor ist für einen Drittel der Verschmutzung der Ozeane verantwortlich“, donnerte der elegante französische Staatschef ungewohnt heftig Ende August am G7 Gipfel in Biarritz, wo er den Fashionpact enthüllte. 30 internationale Modeakteure und rund 150 Labels haben unterschrieben, dem verschwenderischen Kleiderkonsum und dessen extrem umweltbelastenden Herstellung den Riegel schieben.

Denn die Fastfashion hat die Textilproduktion in den letzten 15 Jahren verdoppelt und zur zweitgrössten Umweltverschmutzerin gemacht. Unsere Bettwäsche und unser Kleiderschrank produzieren weltweit  jährlich 1,2 Millionen Tonnen Treibhausgas. Ganz zu schweigen von der Gewässerverschmutzung durch Färben und Waschen, dem extrem hohen Einsatz von Pestiziden in den Baumwollkulturen oder alle chemischen Fasern, die einen Drittel aller Mikroplastikpartikeln den Meeren beisteuern.

Entsprechend grüne Initiativen finden aber seit einem Monat an den Fashionweeks von New York, Mailand, London und Paris nicht auf dem Laufsteg, sondern am Verhandlungstisch statt. Paris brodelt mit Roundtables, Showrooms und Modemessen, um den Umweltschutz in allen Facetten einzuleiten.  London lancierte sein noch vages Positive-Fashion-Weissbuch, das sich bis in die Schulprogramme auswirken soll.  Mailand hat mit dem Green-Carpet-Fashion-Award nicht nur die umweltbewusstesten Modedesigner ausgezeichnet;  Gucci gab auch bekannt,  die Klimaneutralität bereits erreicht zu haben.  Das erfolgreiche Label kompensiert seine CO2-Emmissionen dank Projekten zum weltweiten Schutz der Wälder. Das florentinische Modehaus gab ebenfalls an, die ganze Beschaffungs- und Produktionskette nachhaltig zu gestalten und will auf organische Fasern oder nachhaltige Materialien fokussieren.

Die Greta Thunberg der Mode

Noch sind aber die reinen Oeko-Labels eine Nische, die es im Internet oder an Messen aufzuspüren gilt. Veja und Jerome Dreyfuss sind die Pioniere für Bio-Leder. Misericordia bezahlt  seit je her faire Löhne. Auf dem Laufsteg gibt es aber nur eine, die durch und durch grün ist und wie eine Greta Thunberg der Mode den Weg weist: Stella McCartney. Die Tochter von Ex-Beatle Paul besitzt die Prominenz, um von anderen Promis angehört zu werden.  „Ich werde weder Leder, noch Pelz, noch Federn einsetzen“, hat die heute 48jährige  schon vor zwanzig Jahren in der Chefetage des Luxuskonzerns Kering – damals noch PPR – während ihres Vertragsabschluss festgehalten. Als Vegetarierin, die auf einer Farm aufgewachsen ist, dominiert bei ihr der Tierschutz. Die Stardesignerin  tüftelt aber auch mit Stoffabfällen und pflanzlichen Ölen, um geschmeidiges  Vegan-Leder zu gewinnen wie man es von ihren Falabellabags kennt. Sie macht aus Stoffresten und den aus den Meeren gefischten Plastikflaschen eine neue Faser, die auch beim Stan Smith Vegan zum Ausdruck kommt. Leimfreie Sneakers sind ihr nächstes Ziel. Mit Adidas entwickelt die Topdesignerin ganze Linien nachhaltigen Sportswears.

Die populäre Modeikone hat zudem einen guten Draht zu Luxuskonzernleitern wie François-Henri Pinault (Kering) oder Bernard Arnault (LVMH). Sie war es, die Pinault vor zwei Jahrzehnten von der Umstellung auf ein nachhaltiges Modell, – wie ihr Label es lebt – überzeugte.  Inzwischen hat Kering in 7 Ländern auf 100% erneuerbare Energien umgestellt; in Europa auf 77 Prozent. Macron hatte den Keringchef bereits im Mai mit der Ausarbeitung des Fashionpakts beauftragt, den alle Labels der Keringgruppe (Balenciaga, Saint Laurent, Bottega Veneta, etc.), nicht aber Bernard Arnaults LVMH- Luxusmarken (etwa Louis Vuitton, Dior, Celine) unterschrieben haben. Der zweitreichste Mann der Welt hinkt ein bisschen nach, fängt sich aber auf, indem er 5 Millionen zur Bekämpfung der Waldbrände im Amazonas spendet, und nun Stella McCartney als seine Sonderberaterin einstellt:

LVMH lanciert eigenes Umweltschutzprogramm

„Ich habe den Fashionpakt nicht unterschrieben, weil LVMH keine Fashiongruppe ist. Diese stellt nur einen kleinen Anteil unserer Tätigkeit dar. Ausserdem machen viele dieser Unternehmen Fastfashion. Damit haben wir nichts zu tun“, erklärte Bernard Arnault am letzten Mittwoch, als der LVMH Chairman und CEO überraschend sein Umweltschutzprogramm LIFE veröffentlichte.  Es will insbesondere  Alternativen zum Warentransport per Luftverkehr suchen. Mit einer Charta will der Luxuslederwarenkonzern auch die Rohstoffe tierischer Herkunft klar definieren.

Was auf dem Papier steht, geht allerdings noch nicht konkret über den Laufsteg. In London sind Vin + Omi mit ihren Mänteln aus Brennnesseln aufgefallen, die aus Prinz Charles‘ Garten stammen. Vegane Wanderschuhe, Bio-Polos und Jacken aus recycelten Bettfedern zeigte in Mailand auch Tommy Hilfiger. Stella McCartney’s Show mit der Frühjahrskollektion läuft am nächsten Montag.

Vor zwei Jahren hat sie sich von Pinault getrennt. Dank ihrer kürzlichen Ernennung zur Umweltschutzberaterin des weltweit grössten Luxuskonzerns LVMH ist die Beatletochter nun einmal mehr am richtigen Platz: Ihm wird vorgeworfen, jüngst unverkaufte Handtaschen verbrannt zu haben, sie aber erhielt den Green Carpet Fashionpreis  Grownbreaker und wird deshalb auch hier auf grün umschalten.

Bilder: Unterschrieben haben den Fashionpact auch Saint Laurent und Hermès. Der Luxuslederhersteller hat die Szenograhie seiner Runway-Show rezykliert und einer Künstlervereinigung gespendet copyright Jean-François José

LUXUS ANSTATT TURNSCHUHE

Der französische Konzern Kering trennt sich von Puma, um ein reiner Luxusplayer zu sein, denn seine Nobelmarken Saint Laurent, Gucci und Balenciaga sind heute begehrter denn je.

Mit seinem verspielten Mustermix am gleichen Look hat Chefdesigner Alessandro Michele Gucci in ein neues Zeitalter befördert

Die einst in der Bretagne mit einem Möbelunternehmen begonnene Saga der Familie Pinault gipfelt heute in einem sagenhaften Triumpf: Mit einem Umsatz von 15,5 Milliarden Euros (2017) figuriert sie nun unter den weltweit grössten Luxusgüterkonzernen. Dabei hat vor zehn Jahren der Anteil des Luxus des damals noch PPR (Pinault-Printemps-Redoute) genannten Unternehmens nur 17 Prozent ausgemacht. Heute sind es 71 % des Gesamtumsatzes vor allem dank Kerings legendärer Modemarken Gucci, Saint Laurent und Balenciaga. Das Wachstum der noch im Konzern gehaltenen Sport- und Lifestylelabels ist hingegen weit bescheidener ausgefallen. Deshalb trennt sich Konzernleiter François-Henri Pinault nun von Puma und verteilt die Mehrheit der Aktien des deutschen Turnschuhproduzenten an die Kering-Aktionäre.

Denn der Erfolg im Luxussegment ist phänomenal:  Dank genialen Chefdesignern ist Guccis Umsatz um mehr als vierzig Prozent auf 6,2 Milliarden gestiegen, und Saint Laurent sitzt ebenfalls wieder fest im Sattel. Die Millennium-Generation steht zudem sehr auf Balenciaga, das 100jährige Nobellabel mit dem unverkennbaren architektonischen Stil, in den der erfolgreiche Chefdesigner Demna Gvasalia nun Streetwear einfliessen lässt.  Klar haben die markenübergreifenden, neu eingeführten Produktionsabläufe, die Umstellung auf eine nachhaltige Fabrikation und der Glamour von Pinaults Ehefrau, der mexikanische Schauspielerin, Regisseurin und Produzentin Salma Hayek, viel zum modernen Image des Konzerns beigetragen, der weltweit 44 000 Mitarbeiter, darunter 60% Frauen beschäftigt. Diese zu fördern steht für Pinault dank Hayek im Vordergrund: „Meine Frau hat mich sehr beeinflusst, was die feministische Problematik betrifft“, betont der 56jährige Konzernleiter, Vater von drei Kindern, davon zwei aus erster Ehe. Salma Hayek (51), die den Sohn des Firmengründers François Pinault in Venedig kennengelernt und 2009 geheiratet hat, setzt sich als Aufsichtsratsmitglied der Fondation Kering international für die Frauenrechte ein.

Dass die Pinaults heute in der Highfashion die Nase vorne haben, ist jedoch vor allem ihren Chefdesignern zu verdanken, die am richtigen Ort eingestellt worden sind:  „Um das Ziel eines modernen Luxus zu erreichen, der auf einem kreativen Risiko basiert, vertrauen wir die Universen der Marken einzigartigen Talenten in totaler Freiheit an“, erklärt der stets krawattenlose Konzernleiter. Als sein Vater, der eingefleischte Kunstsammler François Pinault Ende der 1990er Jahre Yves Saint Laurent und Gucci kaufte, gelangen ihm zwei goldene Schachzüge auf einen Streich: Gucci steckte damals voll in der von Tom Ford mit heissem Sexappeal entfachten Erfolgsepoche, und der wenige Jahre später verstorbene Yves Saint Laurent war einer der einflussreichsten und bekanntesten Couturiers aller Zeiten. Damals amtete der eklatante Amerikaner Tom Ford gleichzeitig als Chefdesigner beider Marken. Zwar hatte er dem Florentiner Label neuen Glanz eingebracht. Saint Laurents reiches Erbe ging er hingegen zu zaghaft an. Nach Fords Ausstieg stellte Sohn François-Henri Pinault jedoch 2012 mit Hedi Slimane einen der weltweit besten Chefdesigner an, der erst noch Yves Saint Laurent persönlich gekannt und geschätzt hatte. Mit seiner rockigen Allüre hat Slimane das Seventy-Label neu etabliert. Plötzlich wollten sich wieder alle, die es sich leisten konnten, ein Stück Saint Laurent erhaschen.

Gleichzeitig floppte jedoch Gucci ohne Ford bis Pinault vor zwei Jahren dem langjährigen Studio-Mitarbeiter Alessandro Michele die Regie übergeben hat, der einen radikalen Imagewechsel vollzieht und Fords vulgäre Sexiness verbannt. Das Konzept des Römers eines fröhlichen Spiels mit allen erdenklichen Mustern und Farben am gleichen Look haben dem 46jährigen die Ernennung zum weltweit besten Designer des Jahres 2016 eingebracht. Und Gucci Umsatz stieg spektakulär um fast fünfzig Prozent.

Bei Saint Laurent hingegen findet seit zwei Jahren das Gegenteil statt: Dort entwirft Slimanes Nachfolger, der 36jährige Anthony Vaccarello, extrem erotische Kollektionen. Seine Werbekampagne mit einem Rollergirl, das freizügig den Slip zeigt, machte Skandal, doch sein Rezept mit unendlich langen Beinen unter Superminikleidern, die wie ein Schild wirken, das die Nacktheit schützt, geht auf: 2017 ist Saint Laurents Umsatz nochmals um zwanzig Prozent auf 1,5 Milliarden gestiegen.  Dabei hatte Pinaults Erzkonkurrent, LVMH-Konzernleiter Bernard Arnault mit „Die Redoute steigt in den Luxus ein!“ gewitzelt als ihm ersterer 1999 Gucci unter der Nase weggeschnappt hatte. Denn damals gehörte kein Luxus zum PPR-Konzern, sondern vor allem das Versandhaus La Redoute, das Warenhaus Le Printemps und die riesigen Buchhandlungen und Schallplattengeschäfte FNAC. Von allen dreien hat sich der Konzern jedoch inzwischen getrennt

La dolce vita du costume sur mesure

Le fleuron de la mode masculine italienne entre dans le pôle luxe du groupe français PPR : jamais guindé, mais toujours classe, Brioni, habille James Bond et l’élite politique. Sur mesure. Cela va de soi.

En novembre dernier, le président de PPR François-Henri Pinault annonçait l’achat de la marque masculine italienne la plus courtisée par le showbiz et les hommes politiques. Le carnet d’adresse de la maison de mode de Penne dans les Abruzzes ne désempli pas de célébrités. Brioni, c’est avant tout le tailleur de James Bond. Le costume luisant de Pierce Brosman ou le Smoking ajusté de Daniel Craig font figures de symbole, mais bien d’autres hommes, connu pour leur tenues impeccables doivent leur posture aux maîtres-tailleurs de Brioni : Nelson Mandela, Kofi Annan, Vladimir Poutine, Silvio Berlusconi, Gerhard Schröder, George W. Bush, Donald Trump, Barack Obama ou le Prince Andrew adorent tous ces costumes. Souvent, la maison Brioni choisit elle-même ses propres fils pour la confection de ses tissus exclusifs.

Un duo en Or

La maison fut fondé en 1945 à Rome par le tailleur Nazareno Fonticoli et l’entrepreneur Gaetano Savini. Ce sont leurs neuf héritiers qui ont maintenant vendu la marque à PPR ; selon les déclarations de François-Henri Pinault, au-dessus des 350 millions d’Euros annoncés par la presse. En la décriant très rentable, le président confirme le chiffre d’affaire de 170 millions d’Euros. Avec cette acquisition, le pôle luxe de PPR entre de plein pied dans le marché croissant de la mode masculine. « Nous avons de grandes ambitions pour cette maison de mode, synonyme de l’élégance masculine italienne. Nous allons lui donner accès à notre expertise et notre know-how afin qu’elle écrive une nouvelle page de son histoire en préservant son identité », souligne François-Henri Pinault qui annonce notamment des ouvertures de boutiques dans les pays émergeants de l’Asie. Ce marché est en pleine expansion. En Chine, par exemple, 60% des achats de luxe sont réalisé par des hommes. Et Brioni n’a pas encore de boutique à Shanghai où la majorité des marques de luxe s’installe actuellement.

Tout Hollywood

Le nom Brioni traduit, en italien, le nom de l’archipel croate Brijuni, un endroit prisé par l’élite européenne au début du 20e siècle. Au départ, Brioni fut une maison de haute couture, mais en 1951 elle organise comme première marque un défilé masculin qui attirent immédiatement les plus grands du cinéma américain : Clark Gable et Cary Grant sont habillés par Brioni pendant leur tournage à la Cinecitta de Rome. A l’époque, la mode se passe du style anglais guindé. Vive la dolce vita et le costume italien, plus souple, plus coloré! Dans les années 1960, le mafieux new-yorkais John Gotti aurait eu pour surnom Drapper Don (Don soigné) grâce à ses costumes Brioni. Entre-temps, la marque a ouvert 74 boutiques dans le monde dont 32 en propre, souvent dans de villes que le gratin fréquente : Cannes, Capri, Saint Moritz, Lugano, mais également Paris, Londres, Milan, Dubaï ou Pékin.

Aujourd’hui, son prêt-à-porter n’est pas à la pointe de la tendance, plutôt intemporel, surtout très classe, réalisé dans de belles matières avec le cachemire en vedette qui est même utilisé pour les cravates ou la doudoune. Du sportswear jusqu’au sur-mesure, tout est fabriqué dans les ateliers italiens où travaillent 1800 personnes qui ne cessent d’étudier la technique quant aux types et aux particularités des morphologies masculines.  Comptez 3900 Euros pour un costume sur-mesure qui vous donnera l’allure d’Al Pacino.

Publié dans Commerce International,  Paris, édition mai 2012

Balençiaga: Alexander Wang überrascht

Balençiaga, herbst winter 2013 14 Alexander Wang

Balençiaga herbst winter 13 14 Alexander Wang

 

Auch wenn die meisterwartete Show der Pariser Fashionweek gestern steif began, landete Balenciagas neuer Chef-Designer Alexander Wang eine Glanzleistung: Der 29jährige Amerikaner, taiwanischer Abstammung, verband geschickt Cristobal Balenciagas Sinn für Architektur und Dramatik mit seinem eigenen Hang zu Minimalismus, Rock-Grunge und Futurismus. Diese Taktik dürfte im Interesse der PPR-Gruppe liegen, die ihr elitäres Label kommerzieller ausbauen will, einem Unterfangen zu dem Wangs Vorgänger Nicolas Ghèsquière nicht bereit war. Bekannt für seine lockeren T-Shirts und engen Hosen, glatten Ledersachen und tierischen Motiven, gleitet “Alex” nahtlos in Balenciagas Universum und verblüfft mit zum Bauchnabel hin drappierten Abendkleidern der Antike, alles in tief schwarz oder blendend weiss wie er es auch in seinen eigenen Kollektionen hält. Doch dann verlässt der in San Francisco Geborene die komplizierte Architektur, löst die Schultern auf, indem er sie kosmisch abrundet. Jetzt schöpft er voll im Minimalismus. Die frackartigen langen Jacken in marmoriertem Leder wirken wie Rohre , andere Lederoberteile wie Tierpanzer. Seinen Drang zum Lockeren lebt der in “Harpers Bazaar” als “unbekümmert” und “hochmütig” bezeichnete “Prince of Cool” bei Balenciaga mit blendend weissen Maschen-Tailleurs aus, die nicht nur schick, sondern auch extrem bequem sind.

Erschienen in der Aargauer Zeitung, Aarau, Schweiz, am 28. Februar 2013

Fotos: Balençiaga

Modeplatz London– einmal mehr “The Place to be”

Die Men-Fashionweek wertet den Modeplatz London auf. Doch auch in der Damenmode findet an der Themse ein Generationswechsel statt.

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Die Briten loben derzeit London als innovativster Modeplatz. Mit der Central Saint Martins besitzt die britische Hauptstadt tatsächlich eine der berühmtesten und kreativsten Modeschulen der Welt. Und britische Modeikonen wie Vivienne Westwood, Alexander McQueen oder Paul Smith haben ihren unverkennbaren Look in den letzten Jahrzehnten  weltweit- vor allem in urbanen Kreisen – verbreitet. Die typische Mischung von Exzentrik, Steifheit und inländischer Stoffe ist ein wesentlicher Bestandteil der britischen Kultur. Auch die Königsfamilie beteiligt sich seit je her am Modefieber, das jetzt an der Themse besonders steigt: Kronprinz Charles eröffnete persönlich im letzten Juni an einer Party im Saint James Palast die erste Londoner Men-Fashionweek aller Zeiten.
Prominenz im Komitee und an Parties

Die im britischen Fashion Concil vertretenen Industriepatrons und Luxuslabels investieren heute bewusst in den weltweit steigenden Männermodemarkt, indem sie die Jungdesigner international anpreisen und gleichzeitig die traditionnellen Herrenschneider der Savile Row unterstützen. An der ehrwürdigen Modeader des feudalen Trendviertels Maifair hängt nämlich der Haussegen schief. Die seit zweihundert Jahren ansässigen Masschneiderateliers beobachten missmutig wie die Trendy-Labels herkömmliche Modeboutiquen an der “Row” eröffnen. Die neue Men-Fashionweek, die im Januar zum zweiten Mal durchgeführt wird, soll alle vereinen. “Sie bietet der neuen Designergeneration die Gelegenheit, sich zu präsentieren und den anderen Marken die Möglichkeit, involviert zu sein”, erklärt Christopher Bailey, Chefdesigner bei Burberry. Obwohl die legendäre britische Marke weiterhin in Mailand läuft, sitzt Bailey im Menswear-Komitee des British Fashion Concil wie auch der Texaner Tom Ford. Kunst, Mode und Business, Sponsoren aus Grossbrittanien und den Vereinigten Staaten, trafen sich an dieser ersten Londoner Men-Fashionweek an rauschenden Parties und entlang der Laufstege, auf denen 50 Labels ebenfalls für Schwung sorgten. Viele, unbekannte Newcomer entfachen ein kreatives Feuer und legen die britische Steifheit fast vollständig ab. Das Formale drückt sich fast nur noch in perfekt geschnittenen, engen Shorts und schwarzen Socken aus. Streetwear, Gleitmode und Workingwear der amerikanischen Westküste fliessen in die typisch satten, englischen Schnitte. Nicht nur Junglabels, sondern auch Traditionshäuser, etwa Hackett London, lieferten eine freche Show, sehr Dandy oder ganz jung, bunt und locker.

Mode und Politik

Staat und Wirtschaft fördern bewusst die eigenen Talente oder versuchen ausländische anzulocken, um den Modeplatz London zu stärken. Als der Sozialist François Hollande im Mai zum französischen Präsidenten gewählt wurde, forderte der britische Premierminister David Cameron die französischen Unternehmen öffentlich auf, ihren Sitz auf die andere Seite des Aermelkanals zu verlegen. Durch die olympischen Spiele und die königlichen Feiern beflügelt hat der Premierminister zudem mit den britischen Industriepatrons die “Great Campaign” lanciert, die eine Milliarde Pfund in die britischen Unternehmen investiert, eine Manne, von der auch die Mode profitiert. Sie dient insbesondere dazu, die zukünftigen Stardesigner im Lande zu behalten, denn die jüngste Vergangenheit gleicht einem Fiasko: Auf der Höhe ihres Ruhmes angelangt, arbeiteten Englands grösste Talente John Galliano und Alexander McQueen für französische Marken. Zudem beging McQueen Selbstmord, und Galliano ruinierte seine Karriere betrunken mit seinen anitsemitischen Sprüchen in der Pariser Marais-Bar. Jetzt macht jedoch eine neue Generation von sich reden: Das neue Londoner Phänomen der Damenmode heisst Christopher Kane. Der Schotte führt die NewGen (Neue Generation) an, die der Exzentrik den Rücken kehrt. Sein abgestepptes weisses Leder wirkt mitten im Sommer wie Schnee. Tüllrüschen sorgen für Spannkraft; Pastel für extreme Frische. Der zerebrale Luxus des 30jährigen wird bereits mit Prada oder Balançiaga verglichen. Auch wenn das Kreative vor allem in der Männermode ins Auge sticht, besänftigt die NewGen die dramatische Londoner Damenmode der letzten Jahre.

Man kann ihr vorwerfen, sich zu stark dem Markt anzupassen, doch Christopher Kane, J.W.Anderson oder Jonathan Saunders zeichnen einen begehrlichen schlichten, sinnlichen Look. Jonathan Anderson entwirft mit Männlichem (Nadelstreifenhosen zu schwarz-weissen Halbschuhen), typisch britischer, blumiger Musterwahl und destrukturierter Schnitte eine starke Allüre. Nach Gallianos und McQueens Opulenz macht die NewGen Minimalismus und schöne Romantik, die Stella Mc Cartney eingeleitet hat. Jedoch auch dieses Luxuslabel für Umweltbewusste gehört einem ausländischen Konzern: Frankreichs PPR. Für den internationalen Modeexperten Jean-Jacques Picard haben die Modeplätze Paris und Mailand so oder so Vorrang. « Zwischen New York und Mailand programmiert, kann ich nur gelegentlich an die Londoner Fashionweek ». Da Frankreich und Italien zudem mehr Modekonzerne als London besitzen, bleibt auch ungewiss, ob London tatsächlich seinen Modeplatz aufwerten kann und seine zukünftigen Stardesigner im Lande zu halten vermag. Doch London darf sich bereits an Alexander McQueens Heimkehr freuen: Das Label zeigt seine Menfashion nicht mehr in Mailand, sondern diese Woche an der zweiten Londoner Men Fashion Week.

Erschienen in AARGAUER ZEITUNG, Schweiz, 4. Januar 2013

Bild: Jonathan Saunders, Herbst-Winter-Kollektion 2013/14

Frankreichs Modegiganten schlagen zu

hedi slimane lowDie französischen Luxuskonzerne LVMH und PPR buhlen um die Gunst des modefreudigen Mannes und landen geniale Schachzüge in der Damenmode: Raf Simons ersetzt John Galliano bei Dior, Hedi Slimane wird Yves Saint Laurents Chefdesigner.

Dank dem riesigen asiatischen Markt erfährt die Männermode im Luxussegment Zuwachsraten von bis zu 50 Prozent. Da wollen sich die beiden französischen Luxusgruppen PPR und LVMH (Louis-Vuitton-Moët-Hennessy) ein möglichst grosses Stück abschneiden. Die beiden Rivalen melden Schlag auf Schlag die Einstellung neuer Stardesigner, Markeneinkäufe und Neulancierungen an, immer mit dem Ziel, in Asien ihre Präsenz auszubauen. Es handelt sich dabei um die Fortsetzung eines Luxuskrieges, der 1999 zwischen den beiden französischen Modegiganten ausgebrochen ist. Es ist ein Gefecht um Prestige und Marktanteile zweier steinreicher Männer: Als Präsident der Luxusholding LVMH ist Bernard Arnault heute der reichste Mann Frankreichs. Mit seinem von Forbes auf 41 Milliarden geschätzen Vermögen steht der 63jährige ebenfalls an vierter Stelle der reichsten Erdenbürger. Da klingen die 8 Milliarden seines Erzrivalen François Pinault beinahe bescheiden. Der 74jährige Bretone ging zwar 2003 in Pension, doch seither führt sein Sohn François-Henri geschickt die PPR-Gruppe, die bis zur letzten Jahrtausendwende aus Betrieben für die breite Masse bestanden hat. Als Pinault jedoch 1999 Gucci und Yves Saint Laurent erwarb und damit den PPR-Luxuspol gründete, empfand Arnault diesen Einstieg als unverzeihbarer Affront. Denn auch der LVMH-Präsident stand gleichzeitig mit Gucci in Kaufverhandlungen.
Jetzt buhlen die beiden Modegiganten in der Männermode mit prägnanten Schachzügen. Zuerst meldete François-Henri Pinault im letzten November den Kauf der italienischen Luxusmarke Brioni, die keinen minderen als James Bond einkleidet. Auch Barack Obama, halb Hollywood, Wladimir Putin oder Nelson Mandela tragen Brionis Massanzüge. “Wir hegen grosse Ambitionen für dieses die italienische Eleganz wiederspiegelnden Modehauses”, unterstreicht Pinault. Doch auch LVMH will ein anderes, ursprünglich italienisches Label gross herausbringen: Berluti hat sich seit seiner Gründung von 1895 einen Namen mit Massluxusschuhen gemacht. Ab Juni kommt nun eine erste Männermodekollektion in seine Läden. Alles edle Sachen für die Chefetage mit schimmernden Smokings, die Brioni an den Oskarverleihungen Konkurrenz machen dürften. Für diesen Winkelzug hat LVMH eine namhafte Designergrösse aus Mailand eingestellt: Alessandro Sartori entwarf jahrelang für Ermenegildo Zegna.

Dieses extravagante Auftrumpfen erfährt jetzt aber einen Dämpfer : Der beste Männermodedesigner des 21. Jahrhunderts, Hedi Slimane, entwirft ab sofort beim PPR-Label Yves Saint Laurent. Das ist für Arnault umso schmerzhafter, als dass Slimane 2007 seinen Vertrag mit der LVMH-Marke Dior homme nicht erneuert hat. Der heute 43jährige Franzose zog sich damals nach Los Angeles zurück, um sich der Photographie zu widmen. Mit seinem Weggang versickerte ebenso der weltweite Ruhm von Diors Männermode. Der eigenwillige, sensible Slimane kehrt allerdings nicht wegen der Männerabteilung zu Saint Laurent zurück, wo er bereits als 30jähriger während dreier Jahre seine Karriere gestartet hat. Als Yves Saint Laurents “Direktor der Kreation und des Image” trägt er das gesamte Bild des Modehauses. “Es ist diese globale Aufgabe, die ihn begeistert,” erklärt seine Pressesprecherin Laurence Kleinknecht. “Hedi liegt das Hause Saint Laurent am Herzen. Es handelt sich um eine Rückkehr zur Quelle”. PPR erwartet von seinem neuen Stardesigner allerdings, dass er insbesondere Yves Saint Laurents reiches, historisches Erbe der Damenmode modernisiert, ein Ziel, auf das man gespannt sein darf. Denn auch die Frauen standen schwer auf Hedis androgyne Dior-Anzüge.

Doch nun ist Dior ein ebenso genialer Vorstoss gelungen: Die Modeszene wartet seit 13 Monaten auf einen Nachfolger des fristlos entlassenen John Galliano. Die ende März angekündigte Einstellung des Belgiers Raf Simons als neuer Art Director von Diors Haute Couture, Damen-Prêt-à-Porters und Accessoires ist eine gelungene Erlösung. Der gesetzte Belgier, der sein Talent seit 1996 mit seiner eigenen Männermode und seit 2005 auch als Jil Sanders Damenmodedesigner bewiesen hat, ist das Gegenteil des fulminanten Galliano. Der graziöse Simons, ein Mann mit Köpfchen, ist schwer im Minimalismus verhaftet, weiss aber auch zu provozieren. Die Haute Couture ist für ihn allerdings absolutes Neuland.
Arnaults und Pinaults Schlagabtausch wird im kommenden Sommer einen ersten Höhepunkt erfahren. Denn Hedi Slimane zeigt seine erste Yves-Saint-Laurent Männerkollektion Ende Juni, nur wenige Tage bevor Raf Simons sein erstes Stelldichein von Diors Haute Couture vorführen wird. Bestimmt werden LVMH und PPR auch ihren erbarmungslosen Männermodekrieg in Asien weiterführen. Denn nur schon in China, ein Land mit geschätzten 2,7 Millionen Millionären, werden 60 % aller Luxuskäufe von Männern getätigt.
Erschienen 27. April 2012 in AARGAUER ZEITUNG, Baden, Schweiz