Keine Frau für Frankreich

Ist Frankreich überhaupt für eine Präsidentin reif? Die Frage stellt sich heute nicht, denn Marine Le Pen vertritt nicht die Frauen sondern ihren Clan und besitzt kein eigentliches Regierungsprogramm.

Vor dem ersten Wahldurchgang befanden sich unter den elf Präsidentschaftskandidaten nur zwei Frauen: Die Trotzkistin Nathalie Arthaud, die mit dem winzigen Stimmenanteil von 0,6 % ausgeschieden ist, und Marine Le Pen. Trotz ihrer Qualifikation für die Stichwahl vom nächsten Sonntag dürfte die schlagfertige Präsidentin des Front National dem Favoriten Emmanuel Macron erliegen. Rund 60 Prozent des französischen Stimmvolkes gibt an, für ihn zu stimmen. Schon 2007, als Ségolène Royal nur knapp an Nicolas Sarkozy scheiterte, war Simone de Beauvoirs Feministenland noch nicht für eine Präsidentin reif. Royals Niederlage war vor zehn Jahren nicht auf ihre Vorstellung einer modernen Demokratie zurückzuführen. Der von ihr damals erstmals eingeführte, direkte Austausch mit der Bevölkerung hat Ex-Wirtschaftsminister Macron zur Ausarbeitung seines Regierungsprogramms übernommen. Auch seine Idee, aus dem traditionellen Parteisystem auszubrechen und seine Bewegung „La Marche!“ mit Leuten zwischen der rechten und linken Mitte zu bilden, könnte eigentlich von einer Frau stammen, die bekanntlich von Natur aus lieber auf Kompromisse eingeht als von oben herab ihre Politik diktiert.  Mit der Äusserung „Ich bin Feminist, denn ich glaube an die Andersartigkeit, und die wahre Andersartigkeit für einen Mann ist die Frau“ beweist François Hollandes ehemaliger Berater wohl sein Feingefühl. Doch auch der parteilose Macron hat die Macht an sich gerissen wie es sich Frankreichs Politiker seit Jahr und Tag erlauben.

Seit Royals Popularität kamen Frankreichs Politikerinnen weder bei den Sozialisten noch bei den Konservativen zu einflussreichen Positionen. Zwar besitzt Paris mit Anne Hidalgo eine Stadtpräsidentin, und Lire la suite

Weg mit der Krawatte

Donald Trumps grässlich feuerrote Krawatte, die provokativ bis zum Hosenladen herunterfällt, lässt perplex.  Dass er gewinnen würde, war nicht den Meinungsforschern, jedoch den Krawattenkennern klar: In Amerika ist die Rote die Krawatte des Siegers, die sich einst schon George W. Bush umgebunden hat. Sie steht für Mut, Macht und Männlichkeit und überdeckt schillernd versteckte Komplexe. In Frankreich zählen die Schwarze und die Marine zum guten politischen Geschmack. Just nach ihrer Qualifikation in die konservative Stichwahl haben sich jedoch Alain Juppé und François Fillon ebenfalls eine Rote umgebunden. Lächerlich. Doch oben ohne geht es in der Politik (noch) nicht: Frankreichs krawattenlose Präsidentschaftskandidaten haben alle eine Schlappe an den Vorwahlen eingefangen. Zu locker. Zu fahrig. Am letzten Sonntag standen sich die linken Präsidentschaftskandidaten gegenüber: Benoît Hamon siegte haushoch als moderner Denker mit der schmalen Schwarzen zum Slim-Anzug gegen Manuel Valls, der feinfühlig seine bekannte Autorität mit einer Hellblauen ausbalanciert hat. Das gefällt dem Männermodedesigner Lucas Ossendrijver. Blau, Schwarz und Rot seien zu kodiert; Trumps roter Halsschmuck „ein bisschen schwierig“. Darüber macht sich der Schweizer Jungdesigner Julian Zigerli nicht einmal Gedanken. Sämtliche Krawatten sind für ihn Schnee von gestern. Die Revolution der Millenials hat begonnen. Als Linksextremist mit utopischem, volksnahen Gedankengut versteckt Benoît Hamon bereits die Schale samt Krawatte unter einer Mainstream-Parka. In zwanzig Jahren ist es mit dem männlichen Statussymbol der 20. Jahrhunderts sowieso aus. Statur und Bedeutung werden ab sofort krawattenlos mit einem am Hals zugeknöpften schneeweissen Hemd demonstriert oder einem feinen Rollkragenpulli in warmen Farbtönen: Fuchsrot für Trump.

Wer kann Marine Le Pen bremsen?

Marine Le Pen zvg Marine Le Pen

Den Franzosen fehlt seit Jahren eine klare politische Linie, die ihnen Marine Le Pen hingegen auftischt. Schluss mit dem Diktat aus Brüssel; dank bewachten Grenzen und einer eigenen Währung will sie Frankreichs Wogen glätten. Nach ihrem Triumpf an den Regionalwahlen im letzten Dezember, kandidiert die FN-Präsidentin nun fürs höchste Amt. Die Rechtsextreme besitzt durchaus Chancen, im Frühling 2017 zur Staatschefin gewählt zu werden. 

„Die Gefahr ist nicht gebannt“, warnte Manuel Valls im letzten Dezember nach dem zweiten Wahlgang der Regionalwahlen. Im Hinterkopf dachte Frankreichs Premierminister bereits an die Präsidentschaftswahlen, die im Frühling 2017 vor der Tür stehen. Wird das Land wieder zittern wie während der Regionalwahlen, als der Front National mit 6, 8 Millionen Stimmen ein Rekordresultat erzielt hat? Zwar gewann der FN schlussendlich in der Stichwahl keine Region dank dem Rückzug der in der ersten Wahlrunde auf dem dritten Platz gelandeten sozialistischen Kandidaten. Die Konsequenzen für François Hollandes sozialistische Regierungspartei sind dennoch bitter: Von Calais bis an die Grenze der Ile-de-France und von der Hochprovence bis ans Mittelmeer besitzen die Sozialisten wegen ihres „republikanischen Rückzuges“ nun keinen … Lire la suite

Fahrplan der Präsidentschaftswahlen Frankreichs

 

drapoFrankreichs Präsident(in) wird in zwei Wahlgängen, am 23. April und 7. Mai 2017 für eine Amtszeit von 5 Jahren gewählt

Wer 500 Unterschriften von Mandatsträgern erhält, kann sich am ersten Wahlgang beteiligen. Nur die beiden erst Platzierten kommen anschliessend in die Stichwahl

Marine Le Pen hat ihre Kandidatur am 8. Februar bekanntgegeben

Seit 2007 führen die Sozialisten ähnlich wie in den Vereinigten Staaten eine öffentliche Vorwahl durch, um ihre(n) Kandidat(in) zu bestimmen. 2007 war es Ségolène Royal, 2012 François Hollande. Dieser gilt als bisheriger Staatschef für eine zweite Amtsdauer als naturgemässer Kandidat. Doch die Sozialisten planen dennoch eine Vorwahl. Es kandidieren insbesondere die Ex-Minister Arnaud Montebourg und Benoit Hamon. Ganz Frankreich rechnet auch mit der Beteiligung von Emmanuel Macron und seiner Bewegung En Marche.

Heiss wird es ebenfalls bei den Bürgerlichen: Sie führen am 20. November 2016 überhaupt zum ersten Mal eine Vorwahl durch, um ihren Präsidentschaftskandidaten zu bestimmen.  Elf namhafte Politiker(innen) – neun Männer und zwei Frauen – haben ihre Beteiligung bereits offiziell bekanntgeben. Bekämpfen werden sich vor allem Altpräsident Nicolas Sarkozy sowie die beiden Alt-Premierminister Alain Juppé und François Fillon. Ex-Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire (50) besitzt kleine Chancen, viel Charme und junges Blut.