Ségolène Royal geniesst die neue Macht

Wie eine First Lady empfängt sie an François Hollandes Seite das spanische Königspaar im Elyseepalast. Ob an der UNO in New York, während einer Staatsvisite in Marokko oder der Eröffnung des Musée de l’Homme in Paris, nie fehlt Umweltministerin Ségolène Royal. Seit Hollande offiziell als alleinstehend gilt, geniesst seine Ex-Lebenspartnerin ihre neue Macht. Und der Präsident ihre Komplizenschaft.

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„Ich zähle auf Euch, damit Ihr Eure Initiativen beschleunigt“, ruft Ségolène Royal strahlend all den Vertretern aus Frankreichs Regionen zu, die sich an diesem Montagmittag ins Umweltministerium in Paris begeben haben. Adrett in einen Hosentailleur mit Leopardenmuster gekleidet, zeichnet die 62jährige die besten ökologischen Projekte mit je 500 000 Euros aus, damit „die Territorien vorankommen, das Land vorankommt, der Planet vorankommt“. Trotz ihrer legendären, schwarzen Pumps mit Spitzabsatz sorgt Frankreichs charmanteste Politikerin für Tempo. Kaum war ihr Gesetz zur Energiewende verabschiedet,… Lire la suite

François Hollande – sympathisch aber unpopulär wie kein anderer

Mit dem volksnahen, jovialen François Hollande zog im Mai 2012 ein « normaler » Mensch in Frankreichs Präsidentenpalast. Der Sozialist rief eine « mustergültige Republik » aus, versprach eine tadellose Staatsführung und bezeichnete die Finanz als seinen grössten Feind. Zwei Jahre und einen Sommer später herrscht jedoch unter den vergoldeten Decken des Elysees Katerstimmung. Die grossen Worte liegen wie Scherben auf dem weinroten Spannteppich. Die Zwischenbilanz ist grausam : Der sympathische Staatschef ist zum unpopulärsten Präsidenten seit Charles de Gaulle abgesunken. Warum befürworten nur etwas mehr als zehn Prozent der Franzosen Hollandes Politik ? Nur gerade 4 Prozent der Bevölkerung wünschen noch, dass er 2017 für eine zweite Amtszeit kandidiert. Eine Zwischenbilanz.

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«Ich bin stolz, neue Hoffnung zu entfachen » ruft François Holland am 6. Mai 2012 über den Dorfplatz von Tulle. Sein Gesicht strahlt. Heisrig klingt seine Stimme, so laut muss der Sozialist sprechen, um die Freudesrufe zu übertönen. Soeben haben ihn 51,1 % der französischen Stimmbürger zum neuen Präsidenten erkoren. 19 Jahre sind verstrichen seit der letzte sozialistische Präsident, François Mitterand, das Elysee verlassen hat. Hier im Hauptort der Corrèze am Rande des Massif Centrals vertrat der in Nordfrankreich und Paris aufgewachsene Städter als Departementspräsident jahrzehntelang das Landvolk. Das einzigartige Moment der Verbundenheit von Tulle ist  jedoch nur von kurzer Dauer sein, denn die jubelnde Menge überhört Hollandes Hauptziele : « Sanierung der Produktion » und « Reduktion des Staatsdefizites ». Ohne die Präsenz seiner Parteikameraden, ohne « seine » Frauen und ohne seine vier Kinder singt der 6Ojährige nur wenige Stunden später allein in Paris die Marseillaise auf der Bühne der Place de la Bastille. Allein wird er auch regieren. Nie werden die anderen wissen, was er wirklich denkt.

Unkundige Kommunikation und Pech

Bereits am Tage der Machtübergabe ist sein « peuple de France » perplex. Obwohl … Lire la suite